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Psychologische Behandlung Warteliste mit 175 Patienten

Trauma-Klinik ringt um ihren Erhalt

Königsfeld/Stuttgart.Eine anerkannte Fachklinik steht vor dem Aus: In der Michael-Balint-Klinik in Königsfeld, Schwerpunktklinik für Traumatologie und muttersprachliche psychologische Behandlung, wurden vor allem Jesidinnen aus dem baden-württembergischen Hilfsprogramm behandelt. In diesem nahm die Landesregierung rund 1100 Jesidinnen aus dem Nordirak auf, die dort vom IS verfolgt worden waren. Darunter auch die spätere Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad.

Mitte November wird der Betrieb eingestellt. Nach jahrelangem juristischen Ringen um die Zukunft der seit 2010 im Insolvenzverfahren steckenden Klinik und die Übernahme der 42 psychosomatischen Vertragsbetten durch andere Betreiber erhielten vergangene Woche alle 100 Beschäftigten ihre Kündigung. Der zuständige Verband der Ersatzkassen (VdEK) will die Betten künftig an eine Rottweiler Klinik geben. Die Frage, wie die Betreuung der Patienten fortgeführt werden kann, ist offen. Allein die Warteliste der Klinik umfasst 175 Namen. Mit aufgebaut hat den Schwerpunkt der Traumatologe und Psychiater Jan Ilhan Kizilhan, der maßgeblich am Jesidinnen-Programm des Landes beteiligt war und inzwischen in Donaueschingen tätig ist. „Wir brauchen mehr solcher Kliniken, nicht ihre Schließung. Das wird uns auf Dauer viel mehr kosten, denn psychische und physische Gesundheit ist die Voraussetzung für Integration.“ An der Klinik sei exzellente Arbeit geleistet worden. Viele Frauen hätten dort den Weg in ein eigenes Leben gefunden. „Sie haben zum Teil Familien gegründet, gehen einer Arbeit nach“, sagt Kizilhan. Dennoch bräuchten sie weiter Unterstützung. Der Königsfelder Bürgermeister Fritz Link, der gemeinsam mit Beschäftigten und regionalen Amts- und Mandatsträgern schon seit Jahren um den Erhalt ringt, will nicht aufgeben: „Hier wurden Millionen in die Infrastruktur investiert, wir haben 600 bis 700 Patienten im Jahr, rund 25 000 Übernachtungen.“

Dass funktionierende Strukturen zerschlagen würden, obwohl es Konzepte für eine wirtschaftliche Weiterführung der Klinik gebe, will ihm nicht in den Kopf. „Mit der einen Hand zerstört man dieses funktionierende Zentrum, mit der anderen gibt man uns fünf Millionen Euro an touristischer Förderung.“

Komplizierte Rechtslage

Die Verantwortung für die Schließung schieben derweil Sozialministerium und VdEK mit Verweis auf die hochkomplexe Rechtslage zwischen sich hin und her. „Es wird intensiv nach Lösungen gesucht, um die Versorgung der betroffenen Patienten kurzfristig sicherzustellen“, teilt der VdEK mit.

Das Sozialministerium wiederum sieht die Versorgung der Patienten nicht infrage gestellt, „da sie entweder von anderen stationären Einrichtungen aufgenommen oder in die ambulante Versorgung überführt werden“. Link setzt nun auf die an diesem Mittwoch stattfindende Sitzung des Landeskrankenhaussausschusses, bei der die Klinik angesprochen werden soll. Unterstützung hat er auch vom örtlichen CDU-Landtagsabgeordneten Karl Rombach. Dieser glaube, dass der Ministerpräsident eine klare Ansage macht. Winfried Kretschmann selbst habe schließlich den Bund erst im Sommer aufgefordert, selbst ein Jesiden-Hilfsprogramm aufzulegen. Die Unterstützung Baden-Württembergs habe er zugesagt.

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