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Digitalisierung Stuttgarter Verbraucherministerium startet Kampagne / „Wer aufgeklärt ist, macht weniger Fehler“

Tricks gegen Datenmissbrauch

Archivartikel

Stuttgart.Es macht leise „Piep“, und Isabel Kling ist um 25 Euro ärmer, ohne es zu bemerken. Sie hat ihren Geldbeutel mit EC- und Kreditkarte vor sich auf dem Tisch liegen, an dem gerade ein Mann vorbeigegangen ist. Seine Hand streifte scheinbar belanglos am Tisch entlang. In der Handfläche verbirgt er ein scheckkartengroßes Gerät, mit der anderen Hand bestätigt er auf dem Handy den Vorgang, schon ist die Überweisung getätigt.

Möglich wird der Betrug durch das kleine Kartenlesegerät, wie es auch zum kontaktlosen Bezahlen in vielen Läden installiert ist – und wie es in der Hand von Kriminellen genauso problemlos im Vorbeigehen Kleinbeträge von Kredit- und EC-Karten abbuchen kann.

Im Fall von Isabel Kling wird der Betrug sofort enttarnt. Denn Kling ist Pressesprecherin des baden-württembergischen Verbraucherschutzministeriums. Und der vermeintliche Betrüger ein professioneller Gaukler. Das Ministerium hat ihn für die Demonstration engagiert, um deutlich zu machen, um was es in seiner neuen Kampagne mit dem Titel #seiunberechenbar geht: um die Macht von Algorithmen und die Risiken für den Verbraucher.

Ziel: Sensibilisierung

Am Donnerstag stellte Verbraucherschutzminister Peter Hauk (CDU) die 100 000-Euro-Kampagne vor: „Uns geht es darum, die Menschen für das Thema zu sensibilisieren und ihnen Hilfe dabei zu geben, den Missbrauch ihrer Daten zu unterbinden.“ Dazu informiert das Ministerium vor allem auf einer Internetseite darüber, was mit Daten passiert, die im Netz von Verbrauchern preisgegeben werden.

Die Kampagne richtet sich zuerst an junge Leute, weil, so Hauk, „die damit besonders sorglos umgehen“. Eine Zusammenarbeit ist aber auch mit dem Seniorenrat geplant. „Die Digitalisierung ist für uns alle ein Gewinn an Komfort und aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken“, sagt Hauk. „Aber letztlich bezahlen die Verbraucher mit ihren Datenspuren im Netz dafür. Jeder, der sich im Netz bewegt, wird fortwährend analysiert und bewertet.“

Algorithmen – komplexe Rechenprozessketten – sammeln diese Daten und werten sie aus. Das Ergebnis wirkt sich auf Suchergebnisse im Internet aus, auf Reiseangebote oder Preise, aber auch auf gewünschte Kreditfinanzierungen oder sogar die Personalauswahl bei Bewerbungen.

Die Kampagne weist auf einfache Gegenmittel hin: „Verschiedene Suchmaschinen und Browser im Internet verwenden, den Inkognito-Modus aktivieren und die Sicherheitseinstellungen verändern; bei Handy-Apps die Zugriffsrechte prüfen“, sagt Hauk.

Er sieht zudem Berlin und Brüssel in der Pflicht, bei den Datenkonzernen mehr Transparenz zu erwirken und eine Selbstverpflichtung im Umgang mit Algorithmen zu erreichen. Zudem will er über eine Bundesratsinitiative erreichen, dass die Kampagne bundesweit übernommen wird: „Wer aufgeklärt ist, macht weniger Fehler.“ Das gilt auch für seine Sprecherin. Die steckt sich nun eine Blockerkarte in den Geldbeutel, die das Abbuchen verhindert.

Info: Weitere Infos: www.seiunberechenbar.de

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