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Umwelt Klimawandel setzt auch Naturdenkmälern in Parks zu

Trockenheit – alte Bäume im Dauerstress

Archivartikel

Bad Hersfeld/Schenklengsfeld.. Seit Jahrhunderten hält die weit verzweigte Linde in Schenklengsfeld Wind und Wetter stand. Reformation, Dreißigjähriger Krieg, Erster und Zweiter Weltkrieg – das alles soll der riesige Baum auf dem Marktplatz der Gemeinde im Landkreis Hersfeld-Rotenburg schon überstanden haben. Doch ihre vielleicht härteste Prüfung erlebt die Linde jetzt, in Zeiten des Klimawandels, mit zuletzt mehreren heißen und trockenen Sommern in Folge. Naturschützer und Experten schauen mit Sorge auf die Entwicklung, die auch in vielen Wäldern massive Schäden angerichtet hat.

Es fehlt Wasser

Wie vielen Bäumen hessenweit fehlte es auch der Schenklengsfelder Linde im Sommer regelmäßig an Wasser. Mit einem geschätzten Alter von um die 1000 Jahren soll sie einer der ältesten Bäume Deutschlands sein. Bei großer Trockenheit naht zwar Rettung durch die örtliche Feuerwehr, die den Baum immer mal gießt – doch auch das war in diesem Sommer ein Problem, weil der Landkreis die Wasserentnahme aus Flüssen und Bächen zeitweise verboten hatte, um andere Pflanzen und auch Tiere zu schützen.

Richtig sichtbar werden Schädigungen an Bäumen aber ohnehin meist erst zeitverzögert, sagt Frank Dittmar von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Hersfeld-Rotenburg. Dann kann die Rinde reißen, die Bäume bilden vermehrt Totholz und werden anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. Zu sehen ist das derzeit vor allem bei den Fichten in den hessischen Wäldern, sagt Dittmar. Aber auch Baum-Greisen sei anzumerken, dass ihnen der Trockenstress zusetze.

Rund 130 bis 140 imposante alte Bäume im Landkreis zählt Dittmar zu seinen Schützlingen, einige davon im Wald, andere zieren wie die Schenklengsfelder Linde bestehende oder ehemalige Dorfplätze: etwa die Hammundeseiche im Seulingswald bei Friedewald und die Dorflinde in Aua. Wie alt diese Bäume genau sind, lässt sich nur schätzen, sagt Dittmar. Zum einen, weil theoretisch zwar Jahresringe in den Stämmen wie ein Archiv darüber Auskunft geben können – doch müssten die Bäume dafür zumindest angebohrt werden, was sie dauerhaft schädigen könne.

Außerdem werden die Stämme mit zunehmendem Alter morsch und die Ringe beginnen, sich aufzulösen – und bieten damit keine zuverlässigen Hinweise mehr auf das Alter, wie Dittmar erläutert. Eine andere Möglichkeit der Altersbestimmung bietet etwa die Radiokarbonmethode, bei der der Zerfall von C-Atomen gemessen wird. Auch die Erwähnung der Bäume in historischen Dokumenten kann Aufschluss über ihr Alter geben.

Bei besonders anfälligen Baumarten werde man sich künftig über die Altersfrage kaum Gedanken machen müssen, fürchtet Mark Pommnitz, Forstassessor und Geschäftsführer des Sachverständigenbüros Leitsch in Nauheim im Landkreis Groß-Gerau. Rund 2000 Naturdenkmale in Hessen und anderen Bundesländern begutachten er und seine Kollegen regelmäßig – und stoßen zunehmend auf alarmierende Entwicklungen. Gerade alte Buchen – speziell die Rotbuchen – litten massiv unter dem Wassermangel in den teils 1,80 Meter tief ausgetrockneten Bodenspeichern. „Das entspricht einer schweren Dürre“, sagt Pommnitz. Rotbuchen, die eben noch hochvital im Saft standen, fielen nun systematisch und „in einer erschreckenden Geschwindigkeit“ aus.

Leichtes Spiel

Die große Trockenheit biete Pilz-Erregern wie dem Riesenporling, der schon seit Jahrzehnten auftritt, leichtes Spiel: Er greift jetzt latent an, bis die Bäume absterben. Andere Baumarten trifft es genauso: Die Rußrindenkrankheit befällt flächendeckend Ahornbäume und kann sogar für den Menschen gefährlich werden, das Diplodia-Triebsterben macht den Kiefern schwer zu schaffen, und die Birken leiden unter einem Wechselbad aus Staunässe in den zu milden Wintern und Trockenstress in den Sommern der vergangenen Jahre.

Viele Möglichkeiten, die Bäume zu schützen oder aufzupäppeln, gebe es nicht. Von baumchirurgischen Eingriffen, wie sie früher angewendet wurden, indem man etwa Wunden verschloss, rücke man zunehmend ab, sagt Pommnitz. lhe