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Umwelt Das Schöne Federchenmoos könnte durch wachsende Schäden bei Nadelbäumen große Teile seines Lebensraums verlieren

Trockenheit gefährdet auch Moos-Arten

Archivartikel

Karlsruhe/Röttenbach.Der Klimawandel hat Auswirkungen auch auf unscheinbare Pflänzchen. Angesichts des aktuellen Fichten- und Tannensterbens im Südwesten beobachten Experten das Schöne Federchenmoos, das Moos des Jahres 2020, mit Spannung. Auf der bisherigen „Roten Liste“ der gefährdeten Moose in Baden-Württemberg führte es die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg in Karlsruhe nämlich nicht. Das könnte sich aber ändern.

Die säureliebende Moosart lebt nämlich am häufigsten an Bäumen mit saurer Borke, also vor allem an Nadelhölzern wie Fichte, Tanne, Kiefer, erklärt Wolfgang von Brackel aus dem mittelfränkischen Röttenbach. Der promovierte Biologe und Spezialist für Moose und Flechten hat ein Porträt des Mooses des Jahres für die Bryologisch-lichenologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa verfasst, die die jährliche Ernennung vornimmt.

Ausweichen zu Laubbäumen

Wenn also die Nadelbäume aufgrund der Häufung an Trockenjahren zunehmend verschwinden, muss das Schöne Federchenmoos ausweichen. Es kann auch Laubhölzer mit saurer Rinde nutzen, etwa Birke, Erle oder Buche, und die im Wald verbleibenden Baumstümpfe der Nadelhölzer oder ihr verrottendes Holz. Das Schöne Federchenmoos sei an Fichten und Tannen leicht zu erkennen in seinen dichten niedrigen Polstern durch die lang bewimperten Blätter, berichtet von Brackel. Dort, wo es an Gestein wächst, könne es jedoch leicht mit dem Großen Federchenmoos verwechselt werden. Das Moos mit dem lateinischen Namen „Ptilidium pulcherrimum“ gehört zu den beblätterten Lebermoosen.

Das Schöne Federchenmoos lebt gerne an luftfeuchten Standorten. Es liebt Wälder im bergigen Bereich zwischen 800 und 1500 Metern Höhe besonders – in Baden-Württemberg sind das der Schwarzwald, die Schwäbische Alb und der Odenwald.

Das Schöne Federchenmoos wächst aber generell vom Flachland bis ins Hochgebirge auf der Nordhalbkugel der Erde von Nordamerika über Europa bis Asien. Südlich des 33. Breitengrads wurde das Moos bisher nicht beobachtet.

In Deutschland gibt es „große Verbreitungslücken in den Wärmegebieten des Rheintals, des Maingebiets, des Thüringer und des Mittelfränkischen Beckens sowie im Elbtal“, schreibt von Brackel. In den Roten Listen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz werde die Art dennoch bislang als „nicht gefährdet“ geführt. In Nordrhein-Westfalen gilt es allerdings bereits als „gefährdet“.

Rückzug in nördliche Regionen

Die Zukunft müsse zeigen, wie das zierliche Moos mit zunehmendem Nährstoffeintrag in die Landschaft durch Luftverschmutzung und Düngemittel „und vor allem mit der Klimaerwärmung“ zurechtkomme. Der Experte schätzt, dass sich die Arealgrenze „möglicherweise nach Norden verschieben“ wird.

Menschen nutzen das Moos bislang nicht gezielt, etwa für medizinische Zwecke. „Möglicherweise wurde es jedoch zusammen mit anderen Lebermoosen und Laubmoosen in der traditionellen Medizin als Antibiotikum bei Hautkrankheiten und offenen Wunden eingesetzt“, vermutet von Brackel. In etlichen Laub- und Lebermoosen wurden nämlich antimikrobielle und fungizide Substanzen nachgewiesen, auch im Schönen Federchenmoos.

Andere Pflanzen nutzen jedoch „Ptilidium pulcherrimum“ als Wirt: unter anderem die auf diese Art spezialisierte parasitische Flechte „Puttea margaritella“. „Diese Flechte hat offensichtlich – anders als Menschen – keine Schwierigkeiten, die Art sauber vom Großen Federchenmoos zu trennen“, beobachtet von Brackel. 

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