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Umwelt Arbeiten für den Weiterbau der Autobahn 49 kommen voran / Einsätze der Polizei verlaufen überwiegend friedlich

Trotz Protest schon 8,5 Hektar gerodet

Archivartikel

Stadtallendorf/Homberg.In der ersten Woche der Rodungen für den umstrittenen Weiterbau der Autobahn 49 sind etwa 8,5 Hektar Wald in Mittelhessen gefällt worden. Im Maulbacher Wald bei Homberg (Ohm) sei man bis auf kleinere Rest-arbeiten fertig geworden, sagte ein Sprecher der Projektgesellschaft Deges am Donnerstag. Im Herrenwald bei Stadtallendorf sollten die Baumfällungen fortgesetzt werden.

Die Rodungen für den Ausbau der A49, die einmal Kassel und Gießen direkter verbinden soll, hatten am Donnerstag vergangener Woche begonnen. Mit einem Großaufgebot war die Polizei jeweils vor Ort, um protestierende Umwelt- und Klimaschützer von Baumhäusern oder aus Baumkronen zu holen. Erst wo die Areale geräumt waren, konnten die Fällungen starten.

Im Herrenwald bei Stadtallendorf (Kreis Marburg-Biedenkopf) wurden nach Angaben von Deges an den ersten Tagen knapp fünf Hektar Wald gefällt. Insgesamt sollen hier 49 Hektar gerodet werden. Im Maulbacher Wald bei Homberg (Vogelsbergkreis) fielen Bäume auf rund 3,5 Hektar. Im Danneröder Forst, der das Zentrum und das Symbol für die A49-Proteste ist, haben die Rodungen der 27 Hektar noch nicht begonnen. Insgesamt sollen für die Trasse 85 Hektar Wald gefällt werden. Als Ausgleich sind Deges zufolge Ersatzmaßnahmen auf etwa 750 Hektar vorgesehen, unter anderem soll naturnaher Wald entstehen.

Die Polizei war an den Rodungstagen jeweils mit einem Großaufgebot vor Ort, teils war eine mittlere dreistellige Zahl von Beamten im Dienst. Der Einsatz sei herausfordernd und „geprägt von vielfältigen Versammlungslagen und unterschiedlichen Protestformen. Glücklicherweise verliefen alle Einsatzanlässe bislang ganz überwiegend friedlich“, berichtete ein Sprecher.

In der Tat konzentrierten sich die Aktionen der Umwelt- und Klimaschützer auf den passiven Widerstand. Aktivisten verschanzten sich in Baumhäusern oder in Barrikaden, blockierten Wege oder Maschinen, harrten in Bäumen aus oder organisierten Demonstrationen, Mahnwachen und Protestcamps. Die genaue Zahl der Teilnehmer ist unklar.

„Nur ein Vorgeschmack“

„Mit vielfältigen Blockaden konnten wir die Zerstörung des Maulbacher Waldes und des Herrenwaldes diese Woche deutlich verlangsamen“, teilte eine Aktivisten-Sprecherinmit. Klar sei: „Der bisherige Protest war nur ein Vorgeschmack auf den massiven Widerstand bei einer möglichen Räumung oder Rodung im Dannenröder Wald.“ Um eine Eskalation zu vermeiden, müsse der Bau der A49 sofort gestoppt werden. „Wir brauchen keine neuen Autobahnen, sondern gerechte Antworten auf die globale ökologische Krise!“

Der hessische Grünen-Fraktionschef Mathias Wagner warnte vor Streit im Lager der Autobahn-Gegner. „Wir sollten alle Energie auf den Ort verwenden, wo diese Autobahn gestoppt werden kann, und das ist der Deutsche Bundestag.“ Zu Kritik an den hessischen Grünen sagte er in der „Frankfurter Rundschau“: „Wenn wir die Koalition verlassen würden, dann würde sich an der Rodung des Dannenröder Forstes und am Bau der A49 nichts ändern.“ dpa