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Befragung Viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst erleben Beleidigungen und Gewalt / Nachholbedarf bei Prävention

Übergriffe gegen Beamte sind laut Studie Alltag

Frankfurt.Beleidigungen kennt Markus Ebertz aus seinem Berufsalltag, auch Handgreiflichkeiten hat er schon erlebt. Ebertz ist Gerichtsvollzieher. „Vollidiot“ und „Blutsauger“ gehöre noch zu den milderen Ausdrücken, mit denen er bedacht werde. Als Vorsitzender des Landesverbands des Deutschen Gerichtsvollzieherbundes kennt er Berichte von anderen Gewalterfahrungen. Einer seiner Kollegen wurde vor knapp vier Jahren in Gelnhausen durch einen Kopfschuss schwer verletzt.

Auch andere Gerichtsvollzieher haben schon erlebt, dass mit der Waffe in der Hand auf sie gewartet wurde. So schilderten es einige anonym bei einer Befragung im Auftrag des Deutschen Beamtenbundes (dbb) in Hessen. Die am Mittwoch vorgestellte Erhebung sollte ein Lagebild zu Gewalterfahrungen im öffentlichen Dienst Hessens ergeben. Von rund 45 000 hätten aber nur rund 2150 Gewerkschaftsmitglieder den Online-Fragebogen ausgefüllt, sagt die Autorin, die Gießener Kriminologin Britta Bannenberg.

Besonders belastete Gruppen

So habe man keine repräsentative Studie, könne aber Aussagen über besonders belastete Berufsgruppen treffen. Nur nicht zum Rettungsdienst und anderen Gesundheitsberufen, hier sei die Teilnahme zu gering gewesen. Mit der meisten Gewalt konfrontiert sind der Wissenschaftlerin zufolge Polizisten. Nur jede zweite der Straftaten werde aber angezeigt. Die Befragten gaben an, dabei keine guten Erfahrungen mit der Justiz gemacht zu haben.

Die Täter seien junge, männliche Einzeltäter, häufig mit Migrationshintergrund. Neun Prozent der befragten Polizisten fühlen sich nicht sicher im beruflichen Alltag. Etwa 40 Prozent gaben an, sich von ihrem Dienstherrn nicht ausreichend geschützt zu fühlen.

Es folgen Gerichtsvollzieher und Beamte aus dem Justizvollzug. Bei Letzteren berichteten 57 Prozent der Befragten, im Laufe ihres Berufslebens körperlich angegriffen worden zu sein – bis hin zum Tötungsversuch. Unter den Gerichtsvollziehern berichteten 60 Prozent von körperlichen Angriffen. 72 Prozent fühlen sich nicht ausreichend geschützt.

Deutlich betroffen sind auch Beschäftigte in Jobcentern und der Agentur für Arbeit, Strafanzeigen seien hier extrem selten. Mehr als die Hälfte der befragten Mitarbeiter aus Jobcentern denke über einen Wechsel des Arbeitsplatzes nach. Auch Lehrer würden in erheblichen Maße bedroht, beleidigt, respektlos behandelt und beschimpft, meist von Schülern, vor allem männlichen. Eine Strafanzeige erfolge fast nie.

Betroffene stießen bei Vorgesetzten oft nicht auf die notwendige Unterstützung, kritisierte der dbb-Landesvorsitzende Heini Schmitt. Die Taten müssten angezeigt werden, damit die Täter bestraft würden. Nötig sei dazu eine Strafvorschrift, die Übergriffe auf alle Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes erfasse. Ende August 2018 habe man sich mit den Landtagsfraktionen auf einen „Pakt zur Bekämpfung von Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst“ verständigt. Der dbb werde nun nochmals vor allem auf die Regierungsfraktionen zugehen. lhe