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Verkehrssicherheit 60 Prozent Anstieg bei Rauschmitteln am Steuer / Polizei im Südwesten macht Schwerkontrollen

Unfallrisiko Partydroge

Stuttgart.Die Polizei ertappt immer öfter Autofahrer, die unter Drogeneinfluss stehen. In Baden-Württemberg ist die Zahl der Delikte innerhalb von fünf Jahren um 60 Prozent von 5059 auf 8008 gestiegen. „Das Entdeckungsrisiko für Fahren unter Drogen hat sich in den vergangenen Jahren vor allem durch die konsequente Schulung der Polizeibeamten erhöht“, erklärt ein Sprecher von Innenminister Thomas Strobl (CDU) den Anstieg vor allem mit dem wachsenden Kontrolldruck.

Praktiker wie der Verkehrspolizist Carsten Beck kommen zu einer anderen Lageeinschätzung: „Die Verfügbarkeit von Drogen in der Gesellschaft hat zugenommen.“ Beck, der auch stellvertretender Landeschef der Gewerkschaft der Polizei ist, verweist auf die Entwicklung der allgemeinen Drogenkriminalität. Früher habe es Partydrogen wie Ecstasy nicht gegeben.

Der Anstieg der Drogenfahrten in Baden-Württemberg deckt sich mit der Analyse der Unfälle durch das Bundesverkehrsministerium. Danach hat sich die Zahl der Verkehrsunfälle, bei denen die Hauptschuldigen unter dem Einfluss illegaler Drogen standen, in zehn Jahren auf 3200 verdreifacht. Allerdings ist Alkohol am Steuer mit 32 700 Unfällen noch immer mit Abstand die größte Gefahr im Straßenverkehr.

Bessere Schulung

Die Zahl der festgestellten Promillesünder ist in Baden-Württemberg seit 2013 zunächst deutlich zurückgegangen, steigt aber seit 2017 wieder. Im letzten Jahr registrierte die Polizei 16 700 Autofahrer mit zu viel Alkohol im Blut. Im Innenministerium verweist man darauf, dass bei jedem 15. Unfalltoten Trunkenheit die Ursache sei: „Daher bleibt die Bekämpfung der Unfallursache Alkohol ohne Wenn und Aber im Fokus.“

Während der Anfangsverdacht für Fahren unter Alkoholeinfluss meist recht einfach schon durch den Geruch entsteht, ist das bei Drogen und Medikamenten schwierig. Deren Wirkungsmechanismus sei sehr unterschiedlich, zum Teil dämpfend, zum Teil aufputschend. Da sei mehr Schulung notwendig, betont der Ministeriumssprecher. „Die Polizisten erkennen inzwischen die Verdachtssignale besser.“ Beck verweist auf die Verbesserungen bei den Kontrollen.

Trotzdem ist nach seiner Ansicht die „Dunkelziffer immer noch sehr hoch“. Aus Nachanalysen von Blutproben wisse man, dass neben Alkohol oft auch Drogen konsumiert werden. Inzwischen werde auch gezielt dort gesucht, wo mit Drogen zu rechnen sei. „Wir machen Schwerpunktaktionen rund um Musikfestivals“, nennt er ein Beispiel. 2016 hat die Polizei ihr Konzept zur Verkehrssicherheit überarbeitet. Basis sei eine umfassende Analyse gewesen. Da wurde festgestellt, dass fehlende Verkehrstüchtigkeit die dritthäufigste Ursache für tödliche Unfälle war. Erst im Juni dieses Jahres wurde eine Aufklärungskampagne mit dem Clip „Fahr nüchtern“ gestartet.

Expertin lobt Vorgehen

Die Diskussion um die Legalisierung von Cannabis sieht man im Stuttgarter Innenministerium problematisch. „Die gesellschaftliche Debatte kann zu einer Verharmlosung führen“, warnt der Sprecher. Für die Ächtung von Drogen im Verkehr sei das nicht hilfreich.

„Es ist gut für die Sicherheit auf unseren Straßen, dass mehr kontrolliert wird“, lobt die Grünen-Verkehrsexpertin Kerstin Niemann. Es sei erschreckend, wie viele Drogenkonsumierende sich leichtfertig hinters Steuer setzen und Menschenleben riskieren. Alle Delikte, die eine Gefahr für die Sicherheit auslösen, müssten mit einem höheren Bußgeld oder längerem Führerscheinentzug geahndet werden.

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