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Standort Fusion mit TU Kaiserslautern bis 2022 / GEW bezeichnet Pläne als nicht ausreichend durchdacht

Uni Koblenz-Landau wird getrennt

Mainz.Die Universität Koblenz-Landau wird es in einigen Jahren nicht mehr geben. Das Land Rheinland-Pfalz hat sich für eine Trennung entschieden und für ein Zusammengehen des Standorts Landau mit der nur knapp 60 Kilometer entfernten Technischen Universität (TU) Kaiserslautern. Vollzogen werden soll dies bis zum 1. Oktober 2022, wie Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD) gestern in Mainz erklärte. Die zentrale Verwaltung der bisherigen Uni Koblenz-Landau mit Sitz in Mainz und rund 50 Mitarbeitern soll den Plänen zufolge bis 2024 nach Koblenz beziehungsweise Landau umsiedeln. Allen Mitarbeitern sollen „gleichwertige Arbeitsplätze“ im Landesdienst in Mainz angeboten werden.

Acht Millionen Euro für Kernkosten

Ziel der neuen Struktur ist es Wolf zufolge, die Hochschulen mehr in ihren Regionen zu verankern und Profile zu schärfen. Das Ministerium folgte damit in einem wesentlichen Punkt den im Frühjahr 2018 vorgelegten Empfehlungen einer Expertenkommission. Für die Kernkosten der neuen Organisation veranschlagt Wolf geschätzt acht Millionen Euro, weitere Mittel seien für die Profilbildung der einzelnen Standorte nötig. Der Minister betonte: „Das Hochschulzukunftsprogramm ist keinesfalls ein Sparprogramm.“

Die Präsidentin der Uni Koblenz-Landau, May-Britt Kallenrode, sagte: „Niemand begrüßt gerne seine Selbstauflösung.“ Gleichwohl sehe man aber künftige Vorteile für die einzelnen akademischen Standorte. Wichtig sei, dass endlich eine Entscheidung getroffen worden sei. Ähnlich äußerte sich der Präsident der TU Kaiserslautern, Helmut Schmidt. Er sprach von einem „Damoklesschwert“, das zuletzt über den Standorten geschwebt habe. Doch wie können neue Profile für Koblenz und die Kombination Kaiserslautern-Landau aussehen? Holger Burckhart, der die Expertenkommission leitete, kann sich in der Pfalz beispielsweise eine gesellschaftskritische Begleitforschung zur in Kaiserslautern starken künstlichen Intelligenz vorstellen. Uni-Präsidentin Kallenrode hält in Koblenz neue Kombinationsfächer für denkbar etwa an der Schnittstelle von Sozialwissenschaften und Informatik.

Auf landespolitischer Ebene löste die Entscheidung viele Reaktionen aus. Die hochschulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Marion Schneid, monierte, normalerweise stehe erst ein Konzept samt der zugehörigen Kosten, bevor eine solche Entscheidung zur Struktur getroffen werde. Dem widersprach Burckhart. Ein inhaltliches Konzept müsse von Hochschulen und externen Fachleuten entwickelt werden. Die Politik habe als Geldgeber aber durchaus das Recht, Richtungsentscheidungen zur Struktur zu treffen.

Kritik kam von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie bezeichnete die Pläne als schwer nachvollziehbar und nicht ausreichend durchdacht. Die Gewerkschaft sieht die Gefahr, dass sich die Lehramtsausbildung verschlechtere. Die LandesAStenKonferenz kritisierte, der Prozess bis zur Entscheidung sei intransparent gewesen. Eine positive Trendwende für die Hochschullandschaft werde so nicht erreicht. lrs