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Jahrestag Hessische Volksschauspielerin Liesel Christ wäre heute 100 Jahre alt geworden

Unterhaltsam anspruchsvoll

Frankfurt.Bereits im Alter von vier Jahren steht sie auf der Bühne. Später wird sie in der „Firma Hesselbach“ einem Millionenpublikum bekannt: Heute vor 100 Jahren – am 16. April 1919 – wurde Liesel Christ (Bild) geboren. Die Frankfurter Volksschauspielerin bleibt auch fast 23 Jahre nach ihrem Tod unvergessen.

Für „klaa Christ“ beginnt die Karriere zunächst holprig. Als Mädchen tritt sie in einer kleinen Rolle in Puccinis Oper „Madame Butterfly“ auf. Dabei wird sie durch Kostüme so erschreckt, dass sie weinend von der Bühne getragen werden muss.

Christ lässt sich aber nicht beirren: Mit 14 Jahren wird sie die Jüngste, die die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Musik und Theater in Frankfurt absolviert. Schnell wächst sie zu einer professionellen Bühnenakteurin heran. Nach dem Krieg zählt sie zu den Gründern der Landesbühne Rhein-Main. 1960 wird sie „Mamma Hesselbach“: In der Serie über eine hessische Familie verkörpert Christ eine Kleinunternehmersgattin – ihre Paraderolle. Die Hesselbachs machen den hessischen Dialekt bekannt – und Christ gründet 1971 ihre eigene Dialektbühne. Sie bevorzugt eine Mischung aus unterhaltsamen Schwänken und anspruchsvollen literarischen Stücken. Und wie es ihr Frankfurts größter Dichter 200 Jahre früher vormachte, reist sie 1990 nach der Wende nach Weimar, um dort auf dem Schlossplatz den „Urfaust“ auf Frankfurterisch zu präsentieren.

1996 zieht sie sich bei einem Sturz schwere Kopfverletzungen zu – an den Folgen stirbt sie am 15. August 1996 mit 77 Jahren. Tochter Gisela gründet eine Stiftung, die Stipendien an angehende Schauspieler vergibt, die in zwei Sprachen auftreten – entweder in Mundart oder als Zuwanderer. lhe (Bild: dpa)