Länder

Bildung Opposition spricht von Bankrotterklärung / Eisenmann will mehr Grundschullehrer ausbilden

Unterrichtsausfälle sorgen für Hektik

Stuttgart.Die von Eltern angekündigte Klage wegen der vielen Unterrichtsausfälle sorgt in der grün-schwarzen Landesregierung für Hektik. Vor der gestrigen Landtagsdebatte über das heikle Thema kündigte Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) die Einrichtung von 200 Studienplätzen für Grundschullehrer an. Die Grünen-Bildungsexpertin Sandra Boser will erst den Bedarf mit der Ministerin diskutieren: „Wir wollen nicht aufstocken, ohne am Ende eine Stelle anbieten zu können.“ Kultus-Staatssekretär Volker Schebesta (CDU) betonte, Grundschullehrer würden schon jetzt über den Bedarf ausgebildet.

Die politische Hektik wurde ausgelöst durch die Klage-Ankündigung der Elternvertreter der Gymnasien in Nordwürttemberg. Die Schüler aus Baden-Württemberg seien durch den hohen Unterrichtsausfall benachteiligt, argumentiert ihr Sprecher Michael Mattig-Gerlach. Die Elternvertreter hatten den Anteil der Ausfälle erhoben. Danach fanden 13,5 Prozent des Unterrichts nicht wie vorgesehen statt. Dabei sind die Stunden eingerechnet, die ein anderer Lehrer vertreten hat. Nach der Erhebung des Kultusministeriums vom Juni sind an Gymnasien 6,6 Prozent aller Stunden ganz ausgefallen.

Schuldzuweisungen

SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei machte Eisenmann für die „prekäre Lage“ verantwortlich. Sie müsse verantworten, dass im letzten Schuljahr 1000 Lehrerstellen abgebaut wurden. „Sie sind die Regierung der Lehrerstellenstreichung“, kritisierte der Mannheimer Abgeordnete. Die Streichung müsse sofort zurückgenommen werden, und das ginge auch, weil 2000 ausgebildete Gymnasiallehrer auf eine Anstellung warten würden.

Boser, Schebesta und CDU-Bildungsexperte Karl-Wilhelm Röhm spielten den Ball zurück an die SPD, die von 2011 bis 2016 den Kultusminister gestellt hatte. Es sei SPD-Minister Andreas Stoch gewesen, der Studienplätze für Lehrer abgebaut habe, weil damals alle von sinkenden Schülerzahlen ausgingen, erklärte Röhm. Vor den Türen der Gymnasien stünden hunderte Lehrer mit sprachlichen Fächern. Das helfe aber nicht gegen den Mangel in Naturwissenschaften. Boser betonte: „Wir haben kein Stellenproblem, sondern ein Problem mit der Besetzung.“ Schebesta verwies auf das „umfangreiche Maßnahmenpaket“, das inzwischen beschlossen wurde. „Die Lage ist nicht ideal“, räumte der CDU-Politiker ein.

Grundsätzlicher fiel die Kritik von FDP-Mann Timm Kern aus. „Die verheerenden sieben Jahre grün geführter Bildungspolitik in diesem Land haben uns in diese Situation geführt“, sagte er. Er forderte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) dazu auf, das Thema zur Chefsache zu machen. Es reiche nicht, in „quasi-präsidialer Art über den konkreten Alltagsproblemen zu stehen“. Der AfD-Abgeordnete Rainer Balzer warf der SPD vor, sie habe den Lehrerbedarf während ihrer Regierungsbeteiligung kleingerechnet.

Der Verband Bildung und Erziehung begrüßte Eisenmanns Plan, die Studierkapazitäten aufzustocken. Es könne nicht sein, dass von 2000 Bewerbern nur 230 zugelassen würden, während die Grundschulen unter Lehrermangel leiden. Die Lehrergewerkschaft GEW plädierte dafür, als Sofortmaßnahmen die Altersermäßigung für Grundschullehrer attraktiver zu gestalten. Viele Lehrer gingen mit 63 mit Abschlägen in Pension und würden sich das dann noch einmal überlegen.