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Kirche Jesuit soll nach Interview Rektorenstelle räumen

Vatikan gegen Pater

Frankfurt.Wegen liberaler Äußerungen zu Homosexualität und Frauen will der Vatikan den Rektor einer katholischen Hochschule in Frankfurt aus dem Amt drängen. Dem Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig sei die Unbedenklichkeitserklärung aus Rom verweigert worden, sagte eine Sprecherin der Deutschen Provinz der Jesuiten. Der Vatikan fordere zudem einen Widerruf.

Wucherpfennig hatte 2016 in einem Interview mit der „Frankfurter Neuen Presse“ gesagt, zum Thema Homosexualität gebe es „missverständlich formulierte Stellen in der Bibel“. „Homosexuelle Beziehungen in der Antike waren starke Abhängigkeits- und Unterwürfigkeitsverhältnisse. Liebe sollte eine egalitäre, freie Beziehung sein, keine mit Gefälle. Das wollte Paulus eigentlich sagen, so meine These.“

Widerruf abgelehnt

Über Frauen in der Kirche sagte er: „Wenn Papst Franziskus die Kirche dazu aufgefordert hat, über das Diakonat der Frau nachzudenken, ist das noch zu kurz gegriffen. Ist es richtig, dass das Sakrament der Beichte, also die Versöhnung mit Gott, nur Männer spenden können? Das schränkt die Gesprächsmöglichkeiten zur Versöhnung massiv ein. Da habe ich ernsthafte Fragen.“

Der 1965 in Hannover geborene Pater wurde 1997 zum Priester geweiht. Seit 2008 hat er den Lehrstuhl für Exegese des Neuen Testaments in Sankt Georgen inne, seit 2014 war er dort Rektor. Sankt Georgen ist eine staatlich anerkannte, private Hochschule mit Priesterseminar, die vom Jesuitenorden getragen wird.

Der Provinzial der deutschen Jesuiten, Johannes Siebner, steht „uneingeschränkt“ zu Wucherpfennig. Es gebe „nicht den geringsten Zweifel an seiner Eignung“. Er könne sich nur vorstellen, „dass es sich um ein Missverständnis handelt. Ansonsten wäre es ein empörender Vorgang.“

Der Vorgang sei noch nicht abgeschlossen, sagte die Jesuiten-Sprecherin. Wucherpfennig habe auf den Brief aus Rom mit einer schriftlichen Stellungnahme geantwortet. Einen Widerruf lehne er aber ab. lhe