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Soziales Haustiere sind Menschen wichtiger geworden / Bad Homburg bietet letzte Ruhestätte für die Wegbegleiter

Verbunden bis zum Ende – und noch darüber hinaus

Bad Homburg.Die Katze Minki scheint wenig Wert auf Häuslichkeit gelegt zu haben. „Streunen war Dein Leben“ steht auf ihrem Grabstein auf dem Tierfriedhof in Bad Homburg. Alt ist sie nicht geworden, nach drei Jahren war ihr Streunerleben schon zu Ende. Nun liegt Minkis Körper gemeinsam mit den sterblichen Überresten von vielen weiteren Tieren auf dem Friedhof zwischen Krankenhaus und Autobahn. Das älteste Grab ist nicht weit von ihrem entfernt, im Jahr 1934 wurde dort ein Hund begraben. Die Inschrift ist noch gut zu lesen: „Hier ruht mein liebes Buwichen“.

„Das hier ist der zweitälteste Tierfriedhof Deutschlands“, sagt Peter Wahl, Vorsitzender des Vereins Tierfriedhof Bad Homburg, beim Gang zwischen den vielen kleinen Gräbern. In der Zeit, in der Buwichen starb, war es noch die Ausnahme, Tiere auf einem Friedhof zu beerdigen. Lange Zeit wurden die meisten gestorbenen Haustiere im Garten vergraben oder vom Abdecker abgeholt. „Das war früher gang und gäbe“, gibt Astrid Behr vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte in Frankfurt Auskunft. „Heute gibt es Leute, die sich eine Urne mit der Asche ihres Tieres ins Wohnzimmer stellen.“

„Ewig mein Dackel-Mädchen“

Dass Haustiere dem Menschen immer wichtiger geworden sind, lässt sich auch beim Thema Tod feststellen. Herrchen und Frauchen wünschen sich einen würdigen Abschied von ihrem Wegbegleiter. Und sie wollen, dass etwas bleibt – auch wenn es nur Asche ist. Kein Wunder, dass das Geschäft mit der Einäscherung von Tierkörpern floriert.

So expandiert etwa das Tierkrematorium „Rosengarten“ – nach eigenen Angaben Marktführer bei der Anzahl der Standorte – fleißig. „Eigentlich wollten wir nur das Gebiet rund um Bremen abdecken. Aber dieser Plan zerschlug sich schnell, weil wir von überall her Anfragen hatten“, berichtet Emanuel Holle, Pressesprecher des vor 20 Jahren gegründeten Unternehmens. Mittlerweile hat „Rosengarten“ bundesweit 40 Filialen, darunter drei Standorte in Hessen. Umsatzzahlen veröffentlicht es nicht.

Holle sagt, dass überwiegend Hunde eingeäschert werden, gefolgt von Katzen. Aber auch Nagetiere, Vögel und Reptilien werden ins Krematorium gebracht. Etwa 85 Prozent der Tierhalter wollen die Asche wieder haben, zum Beispiel in einer Urne oder in einem Schmuckstück. Im Trend liegt zudem auch der Pfotenabdruck, der vom gestorbenen Tier kurz vor der Einäscherung genommen wird. Die Preise für eine Einzelkremierung liegen – je nach Gewicht des Tieres – zwischen 105 Euro und 315 Euro. Hinzu kommen außerdem noch die Kosten für das Gefäß.

Die Urnen können beispielsweise auf den Tierfriedhöfen, die es in Hessen zahlreich gibt, vergraben werden. In einigen Bundesländern wird zudem auch eine Naturbestattung für Tiere angeboten. In Hessen wird derzeit auch in der Taunus-Gemeinde Weilrod überlegt, einen solchen Friedwald anzulegen.

Naturnah ist auch der Friedhof in Bad Homburg mit seinen alten Bäumen. Viele Gräber sind gepflegt, die Aufschriften auf den Gedenksteinen rührend. „Du bist das Beste, was mir im Leben passiert ist“, heißt es etwa über die Katze Püppchen. „Danke, dass es Dich gab“, oder „Ewig mein Dackel-Mädchen“ lauten weitere Inschriften. Und auf das Grab von Hund Ben, der seit fünf Jahren tot ist, hat jemand eine Vase mit roten Rosen gestellt.