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Verfälschende Statistik

Archivartikel

Bei der Gewalt rund um Fußballspiele in Baden-Württemberg gibt es wieder die bekannten zwei Seiten einer Medaille: Zum einen steigt die Zahl der Verletzten an, was auf eine erhöhte Gewaltbereitschaft der Rowdies und Hooligans hindeutet. Zum anderen wurden weniger Taten angezeigt. Die Polizei konnte ihre Einsatzstunden bei Spielen in den ersten fünf Fußball-Ligen in der abgelaufenen Hinrunde um knapp 15 Prozent reduzieren. Dies spricht dafür, dass sich die jüngst aufgelegten Sicherheitskonzepte auszahlen.

Unter dem Strich kann sich Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) auf die Fahnen schreiben, dass er mit den von ihm ins Leben gerufenen Stadionallianzen zu einer Beruhigung der Situation beigetragen hat. Seitdem Vereine, Fans, Politik und Polizei vor Spielen gemeinsam an einem Tisch sitzen und Einsatzstrategien beraten, hat sich die Lage zumindest laut der Zahlen verbessert. Allerdings spiegelt die Statistik des Innenministeriums nicht unbedingt die reale Situation wider. Zum Beispiel deckt die Statistik sogenannte Sonderspiele nicht ab. So kam es beim Relegationsspiel um den Aufstieg in die Dritte Liga Ende Mai 2018 zwischen Waldhof Mannheim und Uerdingen zu dramatischen Ausschreitungen, die 45 Verletzte und den Spielabbruch zur Folge hatten. Da dieses Spiel nicht im regulären Ligabetrieb stattfand, wurde es in der Bilanz nicht erfasst. Das zeigt, wie Statistiken ausgelegt werden können, damit sie den politischen Interessen des Erstellers entgegenkommen. Das gehört zur Wahrheit dazu.