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Diesel Seit gestern dürfen Anwohner mit Autos der Euro-4-Abgasnorm oder schlechter nicht mehr in Stuttgarts Innenstadt fahren

Viele Ausnahmen vom Verbot

Archivartikel

Stuttgart.Dass der 1. April für Stuttgart ein historischer Tag war, davon spürte man gestern Morgen am Pragsattel wenig. Die Polizei kontrolliert den Berufsverkehr. Mehrere Beamte beobachten eine Ampelschaltung, etwa 100 Meter weiter werden die Ampelsünder auf einen Parkplatz herausgewinkt, müssen ihre Papiere zeigen und werden zur Kasse gebeten. So weit, so normal.

Als erste deutsche Großstadt hatte Stuttgart zum 1. Januar ein Diesel-Fahrverbot für das gesamte Stadtgebiet eingeführt. Seit gestern gilt das Verbot nicht mehr nur für Pendler, sondern auch für Tausende Anwohner. Betroffen sind Diesel mit Euro-4-Abgasnorm oder schlechter. Wer gegen das Verbot verstößt, muss 108,50 Euro zahlen.

Dabei wächst der Widerstand. Seit Monaten gehen Dieselfahrer in Stuttgart auf die Straße. 68 Prozent der Baden-Württemberger meinen, die Fahrverbote gingen in die falsche Richtung, wie aus einer aktuellen Umfrage hervorgeht. Die Landesregierung steht unter Druck, will weitere Fahrverbote vermeiden. Je größer der Widerstand, desto mehr Ventile werden geschaffen, um den Druck der Straße wegzunehmen. Die Umweltzone ist mit Ausnahmeregelungen durchlöchert.

Härtefallanträge für Eltern

Kurz vor der Kommunal- und Europawahl im Mai gleicht das Fahrverbot einem Flickenteppich. Neben dem Lieferverkehr dürfen Handwerker, Krankenwagen, Polizei und Katastrophenschutz weiter durch Stuttgart dieseln. Für Wohnmobile, Reisebusse oder Arztbesuche können Ausnahmen beantragt werden. Auch Pendler dürfen sie beantragen.

Weitere Ausnahmen wurden angekündigt. Auch wenn Fahrten zur Kinderbetreuung notwendig werden, sollen Eltern künftig Härtefall-Anträge stellen können.

Wer Angehörige pflegt oder wenig verdient, kann unter Umständen auch in Zukunft in Stuttgart mit einem Euro-4-Diesel-Fahrzeug fahren. Die Voraussetzungen werden derzeit zwischen Stadt und Land besprochen. So soll eine vierköpfige Familie, die weniger als 2640 Euro netto verdient, nicht gezwungen werden, sich ein neues Fahrzeug anzuschaffen. lsw