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Justiz Therapiehund Watson wird als psychologische Unterstützung vor Gericht eingesetzt / Modellprojekt richtet sich auch an traumatisierte Kinder und Jugendliche

Vierbeiniger Begleiter hilft Gewaltopfern

Stuttgart.Watsons Arbeit beginnt an dem Punkt, an dem Menschen scheitern. Er kann Sicherheit vermitteln und Halt geben, wo Leben aus der Bahn geraten und das Vertrauen in andere Menschen zerstört ist. Watson, drei Jahre alt und ein bestens ausgebildeter Golden-Retriever-Rüde, ist der erste vierbeinige Mitarbeiter in dem Pilotprojekt ,,Dogs welcome. People tolerated“ (Hunde willkommen, Menschen toleriert) der psychosozialen Prozessbegleitung der Bewährungs- und Opferhilfeeinrichtung ,,PräventSozial“ in Baden-Württemberg.

Sein Job ist es unter anderem, Opfern von schweren Gewalt- und Sexualstraftaten während der Dauer der Gerichtsverhandlung oder bei der Zeugenaussage durch seine pure Anwesenheit zur Seite zu stehen. Vor allem auf traumatisierte Kinder und Jugendliche, die negative Erfahrungen mit Bindungs- und Bezugspersonen gemacht haben und zu denen Richter, Anwälte oder Therapeuten nur schwer Zugang finden, kann der sensible und zutrauliche Besuchs- und Therapiebegleithund beruhigend einwirken. „Manchmal hilft es, vorher oder nachher mit ihm einfach zu kuscheln und Nähe zu spüren“, sagt Sabine Kubinski, Sozialarbeiterin bei „PräventSozial“ und Watsons Ausbilderin bei der Vorstellung des Pilotprojekts im Justizministerium in Stuttgart.

Positive Auswirkung

Allein die pure Anwesenheit eines Hundes habe bei tieraffinen Menschen eine positive Auswirkung auf die Gesundheit, erläutert Kubinski. „Puls und Blutdruck sinken, der Hormonspiegel verändert sich“, sagt sie. „Die Zeugen fühlen weniger Stress und sind weniger unsicher, je enger der Kontakt zum Hund ist.“ Auch Justizminister Guido Wolf (CDU) setzt auf Watsons natürliche therapeutische Wirkung: „Ein Tier kann etwas, was Menschen bei traumatisierten Opfern oft nicht mehr schaffen, es kann Vertrauen und Stabilität vermitteln und in schwierigen Strafverfahren Halt geben“, sagt Wolf, der dafür wirbt, dass sich weitere Gerichte im Land diesem neuen Ansatz der Opferhilfe öffnen.

Denn eigentlich sind Hunde in Gerichtssälen tabu. Ob Watson beim Prozess zugelassen wird oder nicht, entscheidet jeweils der Vorsitzende Richter. Einen Anspruch auf vierbeinige Unterstützung gibt es nicht. Generell haben besonders schutzbedürftige Opfer von Straftaten seit 2017 Anspruch auf eine psychosoziale Prozessbegleitung.

Allein 2018 wurden landesweit in 81 Prozessen psychosoziale Begleiter beigeordnet, ihr Einsatz wird von ,,PräventSozial“ koordiniert. Die zentrale Anlaufstelle für Prozessbegleiter, Polizei, Justiz und Zeugen erhält dafür 75 000 Euro jährliche Mittel aus dem Justizministerium. Dass Sabine Kubinski hier arbeitet und mit ihrem Therapiebegleithund zur Verfügung steht, ist ein glücklicher Zufall, der Schule machen könnte: „Tiergestützte Intervention ist in der Sozialarbeit inzwischen ein echter Schwerpunkt“, sagt Kubinski.

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