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Katastrophenschutz Sicherheits-Software „hessenWARN“ verspricht mehr Alarmmeldungen / Notruf übermittelt Polizei auch Standort

Von Rückruf bis Wetterwarnung

Wiesbaden.Listerienverseuchte Wilke-Wurst wird aus den Regalen zurückgerufen, das Hochwasser am Fluss in meiner Nähe steigt, Betrüger sind gerade in der Nachbarschaft mit dem Enkeltrick unterwegs: All diese Infos können sich die Bürger in Hessen jetzt direkt aufs Handy kommen lassen. Innenminister Peter Beuth (CDU) stallte am Dienstag in Wiesbaden die neue Sicherheits-App „hessenWARN“ vor, deren Funktionen deutlich über das bisherige System „katwarn“ hinaus gehen.

Schutz vor Cyberattacken

Neu soll sie zum Beispiel jetzt auch über Cyberangriffe, Erdbeben und Produktrückrufe informieren. Zudem enthält das neue System eine Notruffunktion, die Polizei und Feuerwehr mit dem Anruf auch gleich anzeigt, wo genau sich der Betroffene befindet. Die App ist eine Weiterentwicklung von „katwarn“, speziell auf Hessen und die jeweilige Region zugeschnitten. Sie kann seit gestern kostenlos in jedem App-Store heruntergeladen werden. Innenminister Beuth war am Morgen einer der Ersten, die das taten. Euphorisch nennt er „hessenWARN“ gleich den Beginn einer „neuen Zeitrechnung in der präventiven Sicherheitskommunikation“.

Die Hessen könnten sich damit noch umfangreicher, besser und individueller über mögliche Gefahrenlagen informieren lassen. Der Nutzer der App kann zum Beispiel bis zu sieben Regionen einstellen, für die er die Warnmeldungen empfangen will. Und er kann auch selbst bestimmen, welche Art von Gefahrenanzeigen er bezieht und welche nicht. Das noch mit weniger Funktionen ausgestattete „katwarn“ hatten sich bislang in Hessen insgesamt 600 000 Nutzer auf ihr Smartphone geladen.

Landespolizeipräsident Udo Münch hofft, dass es mit der neuen App in absehbarer Zeit landesweit eine Million Bürger sein werden.

Schließlich könnte durchzielgenaue Infos und entsprechendes Verhalten der Bürger auch die Polizei etwas entlastet werden. Und die Notruffunktion mit Positionsübermittlung bringe den Bürgern ja auch selbst mehr Sicherheit. Schließlich komme es durchaus vor, dass jemand nach einem Unfall gar nicht mehr in der Lage sei, genau zu beschreiben,wo er sich befindet.

Wer „hessenWarn“ nutzt, bezieht automatisch auch die Alarmmeldungen von „katwarn“ weiter. Wetterwarnungen, Hochwassermeldungen, Angaben über vermisste Personen, Aufforderungen von Polizei und Feuerwehr, etwa nach einem Chemieunfall Türen und Fenster geschlossen zu halten, Aufforderungen zur Evakuierung wegen des Funds einer Weltkriegsbombe, Meldungen über die Schließung von besondere Vorkommnissen in Schulen gehören auch dazu. Die meisten Städte und Landkreise stellen auch ihre eigenen Warnungen in das System ein. Allerdings haben sich ausgerechnet einige große Städte sowie ein Kreis dazu bislang noch nicht entschließen können. Das sind Frankfurt, Kassel, Wiesbaden, Darmstadt und Offenbach sowie der Hochtaunuskreis.

Vorbild für andere Länder

Beuth hofft, auch sie bald mit an Bord zu haben. Um ihnen den Beitritt zu „hessenWARN“ zu erleichtern, hat sich das Land entschlossen, die einmaligen Anschaffungskosten von 18 000 Euro zu übernehmen. Den Kommunen bleiben dann nur noch die 3000 Euro pro Jahr für die laufenden Kosten des Warnsystems. Natürlich kommen alle Meldungen von Polizei und überregionalen Behörden wie auch die Produktrückrufe ohnehin auch in diesen Städten und Gemeinden an. Beuth geht davon aus, dass die neue App auch Vorbild für andere Bundesländer sein könnte.