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Berufung Frankfurter Stadtkämmerer Uwe Becker neuer Antisemitismusbeauftragter des Landes / „Gesamtgesellschaftliche Aufgabe“

Vorkämpfer gegen Judenhass und Israelfeindlichkeit

Wiesbaden.14. Mai 2018: Am Jahrestag der Unabhängigkeit Israels versammeln sich auf dem Frankfurter Römerberg rund 300 Menschen verschiedenster Religionen und tragen demonstrativ eine Kippa – die traditionelle Kopfbedeckung der Juden. Angezettelt hat die Aktion der Frankfurter Bürgermeister, Stadtkämmerer und Kirchendezernent Uwe Becker (CDU/Bild), um ein Zeichen der Solidarität zu setzen, nachdem in Berlin ein Kippa tragender Mann auf der Straße angegriffen und mit einem Gürtel geschlagen worden war.

Es war nicht Beckers einzige Initiative dieser Art. Wenn es um Kampf gegen Judenhass und Israelfeindlichkeit geht, lässt er sich von kaum jemandem übertreffen. Der 49-Jährige scheint wie prädestiniert für das Amt des hessischen Antisemitismus-Beauftragten, zu dem ihn die Landesregierung jetzt berufen hat. Ministerpräsident Volker Bouffier nannte Becker gestern „eine hoch angesehene Persönlichkeit, die sich seit vielen Jahren konsequent für jüdisches Leben und kompromisslos gegen jegliche Form von Antisemitismus einsetzt“.

Förderung von Aufklärung

In seiner neuen Funktion wird er Nachfolger des ehemaligen Frankfurter Kulturdezernenten Felix Semmelroth (CDU), der im Juni vorigen Jahres zum ersten Antisemitismus-Beauftragten in Hessen berufen worden war, das Amt aber aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Becker wird die Funktion neben seinen Ämtern als Frankfurter Kämmerer und Präsident des Hessischen Städtetags ausüben.

Trotz der sich abzeichnenden hohen zeitlichen Belastung will er das Amt aber aktiv ausfüllen. „Wir müssen dem wachsenden Antisemitismus entschiedener entgegentreten, als es bisher der Fall war“, sagte er. Diesen Kampf sieht er als gesamtgesellschaftliche Aufgabe an, wie er betonte, dem sich nicht nur der Staat konsequenter annehmen muss. „Jeder Einzelne ist gefordert.“ So vielfältig sich der Antisemitismus heute zeige, so unterschiedlich müssten die Antworten darauf sein. Becker forderte stärkere Anstrengungen im Bereich Schule und Bildung sowie die Förderung von Begegnung, Austausch und Aufklärung.

Seine am Montagabend vom Kabinett beschlossene Berufung zum Antisemitismus-Beauftragten ist laut Wiesbadener Staatskanzlei eng mit dem Jüdischen Landesverband und der Frankfurter Jüdischen Gemeinde abgestimmt. Der Amtsinhaber fungiert als Bindeglied zwischen den jüdischen Gemeinden und der Landesregierung. Er soll Strategien entwerfen, um Judenhass entgegenzuwirken. Zudem ist er Kontaktperson für Menschen, die Opfer von Judenfeindlichkeit werden.

Becker hatte mehrfach mit Plakataktionen die von ihm gegründete Initiative „Gemeinsam in Frankfurt am Main – Für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus“ unterstützt. Als Städtetagspräsident hat er zusammen mit Bürgermeistern aus Israel, den USA und Europa eine Koalition mitgegründet, die sich gegen Hass, Antisemitismus und die Israel-Boykottbewegung „Boycott, Divestment and Sanctions“ (Boykott, Kapitalabzug und Sanktionen) richtet. Dass Frankfurt an BDS keine Räume mehr vermietet, geht mit auf seine Initiative zurück. (Bild: dpa)