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Herdenschutz Landwirt schlägt vor, Wölfen einen Sender einzupflanzen / Ablehnung von Wachhunden ruft Kritik hervor

Vorstoß von Schäfer stößt auf Skepsis

Loffenau.Der Vorschlag des Schafzüchters Thilo Studer, Wölfen zum Schutz der Herden einen Ortungs-Chip einzusetzen, hat eine neue Debatte ausgelöst. Nach Angaben aus der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg sind bisher bei Wildtieren verwendete GPS-Halsbänder nicht geeignet, die Wanderungen in Echtzeit zu verfolgen. Wegen begrenzter Akkukapazität würden Standortdaten nur in Abständen und gesammelt gesendet, sagte der Wildtierökologe Johannes Erretkamps. Studer hatte vorgeschlagen, jedem Wolf einen Chip unter das Fell zu pflanzen. Per Monitor könne dann jede Bewegung des Raubtiers verfolgt werden. „Und wenn immer der Wolf sich einer Schafherde oder dem Menschen nähert, wird Alarm geschlagen“, so der Landwirt.

Technik wenig ausgereift

Die Wölfe könnten dann mit Gummigeschossen getroffen werden. „Töten würde ich die Wölfe in diesem Fall allerdings nicht“, sagt Studer. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Markus Rösler teilte mit, Chips seien zwar eine von mehreren technischen Lösungen, die beim Thema Wolfs- und Herdenschutz diskutiert werden. Allerdings müsse ein Wolf erst eingefangen werden – und das sei nicht so einfach.

In Thüringen sei zuletzt der Versuch gescheitert, sechs Jungtiere zu fangen. Dabei handelte es sich um Hybriden, Mischlinge aus Wolf und Hund. Auch der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes NABU, Johannes Enssle, ist skeptisch. Die Technik sei noch nicht so weit entwickelt. Es sei aber sinnvoll und notwendig, weiter zu forschen und in die Entwicklung zu investieren. Kritik erntete Studer für seine Ablehnung von Herdenschutzhunden, die seiner Ansicht nach wegen ihrer Aggressivität eine Gefahr für Menschen seien. „Die Aussage, Herdenschutzhunde seien Killermaschinen, ist abstrus“, sagte Enssle. „Ein gut ausgebildeter Herdenschutzhund verbellt unbekannte Eindringlinge, bleibt aber auf Abstand.“ Das Wichtigste sei die richtige Ausbildung. „Daher fordern wir für die Zulassung von Herdenschutzhunden eine entsprechende Eignungsprüfung, ähnlich wie bei Jagdhunden“, so Enssle weiter.

Zäune als Hindernis

Er widersprach auch der Befürchtung, Wölfe könnten sich angewöhnen, über Herdenschutzzäune zu springen. Sie versuchten in der Regel, unter einem Zaun hindurchzukriechen. Deswegen sei es wichtig, dass die unterste Litze eines Zaunes korrekt gespannt sei und ausreichend unter Strom stehe. Sollte ein Wolf wiederholt über Zäune springen, könne er zum Problemwolf erklärt werden. „In diesem Fall erwägen die Behörden auch einen Abschuss.“ lsw