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Wärter unterstützen

Die Zahlen sind zwar rückläufig, Entwarnung kann trotzdem noch lange nicht gegeben werden. Hinter den Mauern der 17 baden-württembergischen Justizvollzugsanstalten kommt es weiterhin viel zu häufig zu schweren Delikten wie Übergriffen auf Bedienstete, Misshandlungen oder Drogenhandel. Das Grundproblem ist, dass es in den Gefängnissen schlicht zu wenig Platz und zu wenig Personal gibt. Während die Haftanstalten aus allen Nähten platzen, sind einzelne Justizvollzugsbedienstete umgerechnet für immer mehr Inhaftierte zuständig. Dass in der Regel nur ein Beamter ein Stockwerk mit 40 bis 60 Inhaftierten betreut, führt zwangsläufig zur Überforderungen. Die Gefängnismitarbeiter werden hier alleine gelassen.

Wie soll der Staat entschlossen vor Gefangenen mit teilweise hoher krimineller Energie auftreten, wenn die Personaldecke so dünn ist? Die Entwicklung führt auch dazu, dass die Sozialkontrolle innerhalb der Vollzugsbediensteten schwieriger wird. Dies zeigt nicht zuletzt die Drogenschmuggel-Affäre im Heilbronner Gefängnis, bei der aus Mitarbeitern offenbar Täter wurden. Zwar konnte Justizminister Wolf bei den Haushaltsverhandlungen die Schaffung von 200 zusätzlichen Stellen für den Vollzug erreichen, ausreichen werden diese jedoch nicht. Langfristiges Ziel sollte es sein, dass Beamte in den Südwest-Gefängnissen nicht mehr alleine ein Stockwerk beaufsichtigen müssen. Davon ist aber selbst das wohlhabende Baden-Württemberg noch sehr weit entfernt.