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Jubiläum Der Eiserne Steg in Frankfurt bietet einen fantastischen Blick auf die Frankfurter Hochhauskulisse – am 30. September wird er 150 Jahre alt

Wahrzeichen aus Stahl über dem Main

Archivartikel

Frankfurt.Die Bezeichnung liest sich gewohnt trocken-bürokratisch: „Gemarkung Frankfurt Sachsenhausen, Flur 604, Flurstück 65/22, Kulturdenkmal aus geschichtlichen Gründen.“ Für kundige Frankfurter wie Touristen bedeuten die Zahlen des Landesamts für Denkmalpflege jedoch möglicherweise mehr: Denn hinter diesem Eintrag verbirgt sich der Eiserne Steg. Am 29. September vor 150 Jahren wurde die weltberühmte Stahlkonstruktion, die über den Main führt, feierlich eröffnet.

Die grün gestrichene Fußgängerbrücke gilt in der Stadt mit ihrer markanten Skyline als eines der eher kleineren Wahrzeichen. Hunderttausende Einheimische wie Gäste überqueren sie jährlich zu Fuß, wenn sie von der Frankfurter Altstadt über den Main in den Stadtteil Sachsenhausen wollen. „Segelnd auf weindunklem Meer hin zu Menschen anderer Sprache“, lautet nach Angaben der Stadt der Spruch übersetzt, der seit 1999 an der Spitze der Brücke - ein Zitat aus Homers „Odyssee“ in griechischer Sprache.

Motiv für Selfies und Gemälde

„Der Eiserne Steg ist einer der beliebtesten Fotospots in Frankfurt mit einem tollen Blick auf die Frankfurter Skyline“, schwärmt der Geschäftsführer der stadteigenen Tourismus und Congress GmbH, Thomas Feda. Tatsächlich posieren tagsüber wie nachts Menschen aus aller Herren Länder dort für Selfies und genießen den Ausblick. Der Schauspieler und Regisseur Matthias Schweighöfer (38) verewigte die Brücke und ihre Kulisse 2011 in seiner Filmkomödie „What a Man“. Selbst Maler wie Ernst Ludwig Kirchner (1880 bis 1938) und Max Beckmann (1884 bis 1950) haben beides mehrfach in ihren expressionistischen Stadtansichten festgehalten.

Dabei hat eigentlich alles ganz anders – und deutlich unprosaischer – angefangen: Weil die Stadt auch vor mehr als 150 Jahren schon unaufhörlich wuchs, verlangten die Frankfurter nach einer weiteren Möglichkeit, den Fluss zu überqueren. Da der Magistrat auch damals schon Kosten scheute, nahmen die Bürger die Sache in die eigenen Hände. Am 30. Juni 1867 wurde eine „Actiengesellschaft zur Errichtung einer Eisernen Brücke am Fahrtor“ gegründet. Diese verkaufte Anteilscheine, verzinst mit fünf Prozent. Binnen weniger Monate waren weit mehr als die zum Baubeginn veranschlagten 120 000 Gulden – laut Stadt heute ungefähr 1,94 Millionen Euro – beisammen, so dass im selben Monat noch mit dem Bau begonnen, und das fertige Bauwerk bereits im Jahr darauf am 29. September 1869 eingeweiht werden konnte.

Brückenmaut von einem Kreuzer

Refinanziert wurden die Kosten aus der Brückenmaut von einem Kreuzer – das billigste Ticket für die von Pferden gezogene Straßenbahn kostete damals vier Kreuzer. Bereits im ersten Vierteljahr zählte man 260 788 Nutzer bei nur 78 000 Frankfurter Einwohnern. So konnte der Eiserne Steg deutlich schneller als veranschlagt der Stadt übertragen werden. Vom Neujahrstag 1886 an war die Überquerung daher gratis. Seinem Konstrukteur Peter Wilhelm Schmick trug der erstmalige Bau einer derartigen, aus Schmiedeeisen gefertigten, versteiften Hängebrücke auf der Weltausstellung 1873 in Wien einen Fortschrittspreis ein.

Am 25. März 1945 wurde der Eiserne Steg zusammen mit den übrigen Frankfurter Brücken von der deutschen Wehrmacht gesprengt, um den Vormarsch der US-Truppen aufzuhalten. Da die aus Metall bestehenden Bauteile zwar im Fluss versanken, aber intakt blieben, konnte die Brücke innerhalb weniger Monate wieder aufgebaut werden: zunächst als funktionales Bauwerk, heute als Treffpunkt in der Silvesternacht, als perfekter Aussichtspunkt bei Volksfesten, als idealer Hörplatz beim großen Stadtgeläut der Kirchen, als Sprungbrett in den Main für die beiden Klippenspringer Orlando Duque und Alain Kohl und als Galerie für ungezählte Liebesschlösser, die seit einigen Jahren an den Geländern hängen.