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Natur Forstminister Peter Hauk stellt 50 Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Naturschutz 80 Millionen Euro umfassendes Maßnahmen-Paket vor

Wald-Notfallplan: „Teuer, aber notwendig“

Archivartikel

Stuttgart.„Die Situation stellt sich dramatisch dar“, erklärt Baden-Württembergs CDU-Landwirtschaftsminister Peter Hauk nach dem ersten Waldgipfel mit rund 50 Vertretern von Verbänden, Wissenschaft, Naturschutz und Forstwirtschaft. Wie berichtet will Hauk in den Verhandlungen zum Doppelhaushalt 2020/2021 ein 80 Millionen-Euro-Konzept durchsetzen. Jedes Jahr sollen 40 Millionen Euro in Notfallmaßnahmen für den Erhalt sowie die Aufforstung der mehr als 1,37 Millionen Hektar Waldfläche in Baden-Württemberg fließen.

Mit 200 zusätzlichen Stellen sollen gleich mehrere Ebenen der Forstverwaltung gestärkt werden. Zudem will das Landwirtschaftsministerium mehr Geld in die Forschung investieren, Waldbesitzer besser beraten und die Vermarktung des Holzes erleichtern. Das alles sind Maßnahmen die nötig sind, nachdem durch Hitze und Trockenheit der vergangenen Jahre die Schadfläche im Südwesten auf 10 000 Hektar angewachsen ist.

Verbände reagieren positiv

Die Verbände reagieren auf den Notfallplan Hauks positiv. „Die Vorschläge sind grundsätzlich sinnvoll, sie sind zwar teuer, aber notwendig“, sagte selbst der sonst als Hauk-Kritiker geltende Johannes Enssle, Landeschef des Naturschutzbundes (Nabu). Die Waldeigentümer im Südwesten fordern eine schnelle Umsetzung des Maßnahmenpakets. Roland Burger, Präsident der Forstkammer Baden-Württemberg, drängt auf eine Konkretisierung. Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) müsse die monetären Mittel sofort bereitstellen, um die Folgekosten der Dürre nicht noch weiter in die Höhe zu treiben. Schon jetzt sei die Politik viel zu spät dran. Der Forstverein Baden-Württemberg verlangt, vor allem den Umbau des Waldes voranzutreiben. „Hierzu bedarf es umfangreicher Förderprogramme für Nachpflanzungen klimastabiler Baumarten“, heißt es in einem Positionspapier des Vereins.

Gerade der Umbau des Waldes – also die Ansiedlung neuer Baumarten – spielt in den Hauk-Plänen eine große Rolle. Um die passenden Maßnahmen zu ergreifen, müsse die Zusammenarbeit mit den Regionen der Welt intensiviert werden, die ähnliche klimatische Bedingungen hätten.

Als Beispiele nennt Hauk Gebiete in den Vereinigten Staaten oder in Kanada. „Wir sind offen für einen Baummix“, so der Minister. Für die im Südwesten am häufigsten vorkommenden Baumarten wie Fichten oder Buchen werde ein Überleben im Zuge der Erderwärmung immer schwieriger. Experten gehen davon aus, dass Hitze und Schädlingsbefall den Bestand auch in Zukunft deutlich reduzieren. Hauk will ein größeres Bewusstsein in der Bevölkerung für den Wald – „den Klimaspeicher Nummer eins“, – schaffen. Daher soll im Oktober ein landesweiter Baum-Pflanztag durchgeführt werden.

In den kommenden Jahren müssten alleine im Südwesten mindestens 30 Millionen Bäume gepflanzt werden, so Hauk.

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