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Staufen Gericht prüft Ermittlungen gegen Jugendamt

Warnung ohne Wirkung

Freiburg.Im Fall des jahrelangen Missbrauchs eines Kindes in Staufen bei Freiburg haben Hinweise der Schule des Jungen das verantwortliche Jugendamt nicht zum Eingreifen bewegt. Er habe Warnungen der Lehrerin des heute Neunjährigen und des Schulleiters als „vage Hinweise“ eingestuft, sagte der zuständige Sachbearbeiter im Jugendamt gestern vor dem Landgericht Freiburg. Polizei oder Gerichte habe er nicht informiert. Er habe auch keine Gespräche mit dem Jungen oder der Schule geführt oder Kontrollen veranlasst.

Der Junge war den Ermittlungen zufolge mehr als zwei Jahre lang von seiner Mutter, deren wegen schweren Kindesmissbrauchs vorbestraften Lebensgefährten sowie von Männern aus dem In- und Ausland vergewaltigt und für sexuelle Übergriffe im Darknet angeboten worden. Die Taten ereigneten sich von Februar 2015 bis September 2017. Bereits im März 2017 gab es Hinweise der Polizei, dass der Junge gefährdet sein könnte. Beweisen ließ sich damals den Ermittlern zufolge jedoch nichts.

Kein Handeln trotz Meldungen

Im Juni 2017 meldete sich die Lehrerin beim Jugendamt. Der Junge habe sich einem Schulkameraden anvertraut, der dies der Lehrerin erzählte. „Er hat erzählt, er müsse sich vor dem Lebensgefährten der Mutter ausziehen und sich anschauen lassen.“ Das Jugendamt schritt damals nicht ein – auch nicht, als der Rektor der Schule im Juli 2017 nachhakte.

Justiz und Jugendamt hatten das Kind nach einer Inobhutnahme im März 2017 zurück zur Mutter geschickt. Die Staatsanwaltschaft prüft nun mögliche Ermittlungen gegen das Jugendamt. „Es war jenseits der Vorstellung, dass die Mutter so etwas tut“, sagte der Mitarbeiter des Jugendamtes. „Wenn man sich die Ungeheuerlichkeiten anschaut, tut es mir leid für den Jungen.“

Der Prozess gegen die Mutter des Kindes und den Lebensgefährten wird fortgesetzt. Ein Urteil soll es Gerichtsangaben zufolge bis Anfang August geben. Der Junge lebt inzwischen bei einer Pflegefamilie.