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Serie Ex-Landeswirtschaftsminister organisiert Treffen der Weltmarktführer / Wegen Unternehmens-Pleite vor Gericht

Was macht … Walter Döring?

Stuttgart.Mit 65 ist Walter Döring noch einmal durchgestartet. Im Mai wurde der frühere FDP-Landesvorsitzende und baden-württembergische Wirtschaftsminister nach langer Unterbrechung in Schwäbisch Hall wieder in den Gemeinderat gewählt. „Man hat mich gebeten. Aber es macht natürlich Spaß“, gibt er zu. Als Auslaufmodell sieht er sich keineswegs: „Ich bin ehrgeizig und arbeite gern und viel.“ Für den Kreistag wurde er für weitere fünf Jahre wiedergewählt. „Ich bin immer dafür eingetreten, dass man bis 70 Jahre arbeiten soll“, sagt der Liberale. Darauf hat er sein Leben ausgerichtet.

Beruflich geht Döring gerade durch ein Wechselbad. Am 21. August beginnt vor dem Stuttgarter Landgericht der Prozess um die Pleite des Windenergieentwicklers Windreich AG wegen Betrug, Bilanzfälschung und Insolvenzverschleppung. Dass er einer der acht Angeklagten ist, kann Döring nicht verstehen: Nicht einmal vier Wochen sei er 2013 im fraglichen Zeitraum noch Vorstandsmitglied der Firma gewesen und für politische Kontakte zuständig. Mit der Bilanz habe er nie etwas zu tun gehabt. „Der Prozess ist sehr lästig“, sagt Döring im Blick auf die bereits geplanten 48 Verhandlungstage und mittlerweile sechseinhalb Jahre andauernden Ermittlungen. Die Vorwürfe weist er vehement zurück und muss doch einen erheblichen Imageschaden schon durch den Prozess fürchten.

Reise nach China

Das hält ihn aber nicht davon ab, gleichzeitig zu neuen Ufern aufzubrechen. Noch am Abend des 21. August wird Döring zu einer China-Reise starten. Im Auftrag der dortigen Regierung führt er eine 14-köpfige Delegation von deutschen Unternehmern an, die ihre Chancen in dem Land ausloten wollen. Und das ist nur der Auftakt. Nächstes Jahr soll Döring in China einen Kongress der Weltmarktführer organisieren, bei dem hochrangige Vertreter hiesiger Firmen auftreten. „Das ist unheimlich spannend“, sagt Döring.

Die „Weltmarktführer“ hat Döring in der Hohenloher Provinz zu einer bundesweit bekannten Marke gemacht. Für viel Aufsehen sorgt der „Weltmarktführer-Index“, in dem 550 deutsche Firmen gelistet sind. Bereits zum zehnten Mal geht Ende Januar 2020 das „Gipfeltreffen der Weltmarktführer“ in Schwäbisch Hall über die Bühne. Drei Bundesminister haben zugesagt und Referenten aus bekannten Unternehmen. Zusammen mit seiner Frau Karin hat er als organisatorisches Dach die Akademie der Weltmarktführer gegründet.

Die Wirtschaftsthemen waren Döring nicht in der Wiege gelegt. Nach dem Studium (Geschichte und Englisch) promovierte er und wurde Lehrer. Später war er der erste Abgeordnete des baden-württembergischen Landtags, der seinen Beamtenstatus aufgab. 1996 erreichten die Liberalen bei der Landtagswahl mit ihm als Lokomotive 9,6 Prozent, in seinem Wahlkreis in Schwäbisch Hall waren es sogar 19,7 Prozent.

Anschließend wurde er Wirtschaftsminister in einer schwarz-gelben Koalition. Mitte 2004 trat er zurück, nachdem der PR-Berater Moritz Hunzinger seinem FDP-Kreisverband 10 000 Mark zukommen ließ – exakt die Summe, für die Döring bei Hunzingers Firma eine Umfrage in Auftrag gegeben hatte. Schon zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Karlsruhe wegen des Verdachts der Vorteilsnahme gegen ihn ermittelt. Auslöser war eine Parteispende der Betrügerfirma Flowtex.

Absturz nur schwer verkraftet

Den Absturz hat der Vollblutpolitiker, der manchmal mit einem Zirkuspferd verglichen wurde, das tanzen muss, wenn die Musik anfängt, nur schwer verkraftet. „Drei Jahre habe ich gebraucht“, blickt er zurück. Dabei fasst er beruflich schnell Fuß, wird im Oktober 2004 Vorstandsmitglied der Stuttgarter Beratungsfirma REM und im selben Monat Aufsichtsratsvorsitzender des Küchenherstellers Alno. Bei Windreich steigt er 2010 als Chefkontrolleur ein und wechselt 2011 in den Vorstand, um bei der Energiewende seine Kontakte spielen zu lassen.

Vor der Bundestagswahl 2013 kündigt er an, er sei bereit, Spitzenkandidat zu werden, was Birgit Homburger, seine Nachfolgerin als FDP-Landeschefin, schwer in die Bredouille bringt. Im letzten Moment zuckt er zurück. Im Rückblick meint er angesichts des knappen Scheiterns der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde: „Ich hätte es durchziehen sollen. Wir wären nicht aus dem Bundestag geflogen.“

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