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Partei Kandidiert Bundestagsfraktionschefin für den Landesvorsitz? / Eine Woche vor der Wahl ist Personaltableau unklar

Weidel hält die Südwest-AfD hin

Stuttgart.Dem bürgerlichen Flügel der Südwest-AfD gilt Alice Weidel als Hoffnungsträgerin. Die 41-Jährige hat sich zwar für den Vorsitz in der vom Führungsstreit gelähmten Partei ins Gespräch gebracht, aber eine öffentliche Bewerbung vermieden. „Wir gehen fest davon aus, dass sie kandidiert“, sagt ein Vorstandsmitglied auf Anfrage. Aber die Bitte um eine klärende Stellungnahme lässt Weidel auch am Freitag unbeantwortet. „Die Mitglieder werden unruhig“, heißt es aus AfD-Kreisen. Der Wahlparteitag ist für kommenden Samstag in Böblingen angesetzt.

Geht es nach Emil Sänze, sollte Weidel auf eine Kandidatur verzichten. Der Landtagsabgeordnete, der dem völkisch-nationalen Flügel zugerechnet wird, hat gestern im Gespräch mit unserer Redaktion seine eigene Bewerbung für den Landesvorsitz angekündigt. Der 69-Jährige will der baden-württembergischen AfD wieder mehr Gewicht in der Bundespartei verleihen: „Da ist so gut wie nichts mehr.“ Es zähle nur noch der Osten.

Für Weidel will Sänze höhere Ämter reservieren: „Ich würde ihr raten, sich auf die Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl 2021 zu konzentrieren.“ Als Vorsitzende der Bundestagsfraktion und stellvertretende Parteichefin habe sie „genügend zu tun“.

Schwieriger Neuanfang

Den Sonderparteitag haben mehrere Kreisverbände erzwungen, um die seit Monaten andauernde Führungskrise zu lösen. Den Vorstand leiten derzeit Landtagsfraktionschef Bernd Gögel und der Bundestagsabgeordnete Dirk Spaniel. Während Gögel einem personellen Neuanfang nicht im Weg stehen möchte und seinen Verzicht auf eine neuerliche Kandidatur angekündigt hat, will Spaniel wieder kandidieren. Der Anhänger des rechtspopulistischen Flügels gilt der Vorstandsmehrheit aber als nicht teamfähig. „Dirk Spaniel ist ein Ego-Paket“, kritisiert ein Vorstandsmitglied.

Spaniel macht kräftig Wahlkampf für sich. Der Bundesvorstand prüft Ordnungsmaßnahmen gegen Spaniel, weil der an einer rechten Demonstration vor dem SWR in Baden-Baden teilgenommen hat. Darüber soll aber erst zwei Tage nach dem Parteitag entschieden werden.

Spaniel geht davon aus, dass es zu einer Kampfkandidatur zwischen ihm und Weidel kommt. Der Konkurrentin wirft er Mutlosigkeit vor: „Frau Weidel scheint sich ihrer Dinge im Moment nicht so ganz sicher zu sein und will wohl erst die Mehrheitsverhältnisse auf dem Parteitag in Augenschein nehmen, bevor sie sich für oder gegen eine Kandidatur entscheidet.“

Den Hut in den Ring geworfen hat der Bundestagsabgeordnete Martin Hess, der vor einem Jahr die Kampfabstimmung um den Landesvorsitz gegen Spaniel verloren hatte. Dem Ex-Polizisten war damals in einer anonymen Mail unterstellt worden, er sei Informant des Verfassungsschutzes. Jetzt sucht Hess den Schulterschluss mit Weidel: „Ich habe mit Frau Weidel Gespräche geführt, und wir können uns sehr gut vorstellen, das gemeinsam zu machen.“

Allerdings gibt es in der Südwest-AfD auch die Überlegung, auf die bisher übliche Doppelspitze im Landesvorstand zu verzichten. „Ich finde das eine gute Idee“, sagt ein Kreisvorsitzender. Es habe ja bisher nicht funktioniert, wenn beide Parteiflügel an der Spitze vertreten waren. Dagegen betont Sänze, entsprechende Vorstöße seien schon mehrfach abgelehnt worden. Er findet, dass „ein Verzicht auf die Doppelspitze nicht vereinbar ist mit den Genen der AfD“.

Bei der AfD in Baden-Württemberg sind zu den Parteitagen alle Mitglieder eingeladen. Derzeit mobilisieren beide Lager auf Hochtouren, um möglichst viele Anhänger nach Böblingen zu bekommen. Im Vorstand wird noch überlegt, ob man sich der absehbaren Schlammschlacht durch gemeinsamen Rücktritt entzieht. Dann könnte die Generalaussprache entfallen und gleich gewählt werden.

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