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Umfrage Sechs von zehn großen Kommunen in Hessen verzeichnen höhere Einkünfte durch Verkehrssünder

Weniger Knöllchen in Frankfurt

Archivartikel

Frankfurt/Wiesbaden.Die einen parken falsch, die anderen fahren zu schnell: Verkehrssünder haben einigen größeren Städten in Hessen gestiegene Knöllchen-Einnahmen beschert. Sechs von zehn angefragten Kommunen erzielten 2019 einen Zuwachs bei Verwarn- und Bußgeldern im Vergleich zu 2018, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Mehreinnahmen melden Wiesbaden, Darmstadt, Hanau, Rüsselsheim, Fulda und Bad Hersfeld. Weniger Einnahmen kamen den Angaben zufolge zusammen in Frankfurt, Kassel, Offenbach und Gießen. Eine Übersicht:

Zusätzliche Leiharbeiter

In der Landeshauptstadt Wiesbaden stiegen die Einnahmen wegen Verkehrsverstößen von etwa 4,25 auf rund 5,54 Millionen Euro. Denn es seien wesentlich mehr Verstöße geahndet worden. Die Zahl sei von 228 000 auf 335 000 gestiegen, berichtete das Verkehrsdezernat. Die Stadt hat auch mehr Mitarbeiter bei der Ordnungspolizei eingesetzt. Seit 2017 sei das Personal von 23 auf 58 Verkehrswächter gewachsen. Zwischen April 2018 und Januar 2020 seien zusätzlich 20 Leiharbeiter für die Verkehrspolizei tätig gewesen.

Ein deutliches Plus registriert auch Darmstadt. Wegen gestiegener Fallzahlen seien auch die Einnahmen von 2,0 auf rund 2,5 Millionen Euro in die Höhe geschossen. Die Erklärung: Es wurden weitere Blitzersäulen in Betrieb genommen, wie ein Stadtsprecher mitteilte. Für das laufende Jahr will die Stadt zusätzliche Hilfspolizisten einstellen.

In Rüsselsheim stiegen die Einnahmen den Angaben zufolge von 809 000 Euro (2018) auf 1,056 Millionen Euro. Auch hier stiegen wegen vermehrter Kontrollen die Fallzahlen von 54 300 auf 70 200. In Fulda stiegen die Einnahmen von 1,54 auf 1,60 Millionen Euro. Mit mehr Knöllchen-Jägern müssen Autofahrer in der osthessischen Domstadt in diesem Jahr nicht rechnen. Auch Hanau bilanzierte leichte Zuwächse. Die Einnahmen stiegen von 1,04 auf 1,13 Millionen Euro, nachdem auch die Fallzahlen zulegt hatten (von 63 100 auf 67 400). Bad Hersfeld verzeichnete ebenfalls ein Plus. Die Einnahmen gingen von 260 000 Euro im Jahr 2018 hinauf zu 310 000 Euro, wie ein Sprecher des Bürgermeisters sagte. Vom zweiten Halbjahr 2020 soll eine weitere Stelle in der Verkehrsüberwachung hinzukommen.

Weniger Einnahmen

In Frankfurt, sanken die Einnahmen 2019 von 15,16 auf 13,06 Millionen Euro. Denn auch die Fallzahlen gingen zurück. Von 795 000 auf 697 000, teilte die Stadt mit. Ein Sprecher sagte: „Der weitaus größte Teil der Verstöße betrifft Parkverstöße, hier insbesondere in Bewohner- und Parkscheinbereichen, bei Haltverboten sowie auf Geh- und Radwegen.“ Derzeit überwachen 108 Beamte im Außendienst den ruhenden Verkehr in Frankfurt. Bei den Geschwindigkeitskontrollen sind zehn Mitarbeiter im Einsatz. Die Tempo-Kontrollen werden von 23 stationären Anlagen vorgenommen. Zudem gibt es fünf mobile Messfahrzeuge und zwei Messanhänger, die einem am Straßenrand abgestellten Anhängern ähneln. Die Stadt will das Personal weiter aufstocken. „Eine zusätzliche Stelle im Bereich Geschwindigkeitskontrolle soll noch besetzt werden“, sagte ein Sprecher.

In Kassel sanken die Einnahmen den Angaben zufolge deutlich von 3,40 auf 2,96 Millionen Euro. Die Fallzahlen gingen deutlich zurück von 236 000 auf 202 000 Fälle. Das entspreche einem Einbruch von rund 14 Prozent. Ein Stadtsprecher erklärte: „Man kann davon ausgehen, dass die Verkehrsteilnehmer disziplinierter sind.“ Denn die Zahl der Mitarbeiter in dem Bereich und der Blitzer seien unverändert. Weniger Einnahmen bilanzierte auch Offenbach. Die Summe sank von 2,62 Millionen auf 2,47 Millionen Euro, wie die Stadt mitteilte. Denn die Fallzahlen seien von 226 300 auf 198 600 zurückgegangen. In diesem Jahr sollen die Kontrollen ausgeweitet werden. In Gießen gingen die Einnahmen von 1,55 auf 1,42 Millionen Euro zurück. Die Fallzahlen sanken von 90 900 auf rund 81 800. Die Entwicklung begründete die Stadt mit weniger Personaleinsatz und weniger Blitzern. (dpa)