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Corona Susanne Eisenmann will auch Lehrer und Schüler ohne Symptome untersuchen / Manfred Lucha arbeitet an neuem Konzept

Weniger Tests als angekündigt

Archivartikel

Stuttgart.In der Hochphase der Corona-Infektionen hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) eine Verdopplung der wöchentlichen Corona-Tests auf 160 000 angekündigt. „Bundesweit einmalig“ sei das. Am Donnerstag hat das Sozialministerium eingeräumt, dass dieses Ziel weit verfehlt wurde. „Zur Zeit bestehen in Baden-Württemberg Kapazitäten für 120 000 Tests“, teilt der Sprecher auf Anfrage mit. Völlig unklar ist, wie zusätzliche Tests für Grundschullehrer und Erzieherinnen umgesetzt werden. Am kommenden Dienstag soll der Ministerrat ein Konzept beschließen.

„Wir erwarten, dass Testmöglichkeiten für alle Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher im Land geschaffen werden“, betont Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Zumindest müssten alle Mitarbeiter die Testmöglichkeit in Anspruch nehmen können. Auch Kinder sollten in die erweiterte Teststrategie einbezogen werden. Für die CDU-Ministerin geht es neben der medizinischen Notwendigkeit auch um eine psychologische Komponente. Eisenmann: „Das heißt konkret, dass diese Tests auch dazu dienen können, das Sicherheitsgefühl bei den Betroffenen zu erhöhen.“ Das sei für Lehrer, die vor Ort sind, ein wichtiger Faktor. In der aktuellen Teilöffnung der Schulen geht es ganz ohne Tests.

Zweifel der Experten

Die Experten im Landesgesundheitsamt (LGA) halten regelmäßige flächendeckende Tests von Lehrern angesichts der aktuell niedrigen Ansteckungszahlen nicht für notwendig. Bei einem Runden Tisch des Kultusministeriums empfahl LGA-Präsidentin Karlin Stark, nur bei Hinweisen wie Störungen des Geschmacks- oder Geruchssinns einen Test zu machen. Ansonsten sollte die Aufmerksamkeit auf der „schnellen und umfassenden Nachverfolgung von Kontaktpersonen bei einer Infektion liegen“.

Die Einschätzungen der Gewerkschaften gehen weit auseinander. Gar nicht genug getestet werden kann nach Ansicht des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). „Wöchentliche Tests für alle Lehrer würden Sinn machen“, meint VBE-Landesvize Oliver Hintzen. Drei-Tages-Abstände würden noch mehr Sicherheit bringen. Dass das bei 120 000 Lehrern in Baden-Württemberg allein schon an den nicht vorhandenen Kapazitäten scheitern würde, bestreitet er.

Die Lehrergewerkschaft GEW fordert einen Ausbau der Kapazitäten, sieht aber in flächendeckenden Tests von Lehrern und Erziehern wenig Effekte. Auf jeden Fall sollten sie freiwillig bleiben. Wenn Ende Juni die Grundschulen und Kitas wieder für alle öffnen, müssten strikte Hygieneregeln beachtet werden, betont Landeschefin Doro Moritz.

Für den Städtetag Baden-Württemberg bringt Schuldezernent Norbert Brugger eine weitere Gruppe von Beschäftigten in Erinnerung, die in der aufgeregten Debatte bisher vergessen war: Allein an den Grundschulen in Baden-Württemberg gibt es über 10 000 Betreuungsgruppen, die von Vereinstrainern, freien Musikern und anderen kommunalen Kräften geleitet werden. Auch für diese Beschäftigten fordert Brugger ein Schutzkonzept.

Krankenkassen sollen zahlen

Bisher ist in der baden-württembergischen Corona-Konzeption vor allem geregelt, welche Personen ohne Krankheitssymptome Anspruch auf eine Untersuchung haben. Für die flächendeckende Testung in Alten- und Pflegeheimen hat das Land die Kosten übernommen. Derzeit schafft Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die rechtliche Grundlage, dass die Krankenkassen grundsätzlich alle Tests zahlen müssen. Bisher übernehmen sie nur Kosten, wenn ein Verdachtsfall vorliegt.

Im Umfeld von stark gefährdeten Personen, beispielsweise in Pflegeheimen, will Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) verstärkt untersuchen. Außerdem plant der Grünen-Minister die wiederholte Testung von ausgewählten Gruppen der Bevölkerung, um Daten zu Infektionsverläufen zu sammeln.

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