Länder

Bildung Wohl doch keine Rückkehr zum Präsenzunterricht im Regelbetrieb / Kritik an Kultusministerin Eisenmann

Wiederöffnung noch unklar

Stuttgart.Vom Infektionsgeschehen und der Opposition getrieben, von den Kultusministern der Länder eingebremst, von Eltern-, Bildungs- und Erziehungsverbänden, Schulleitungen und Lehrkräften kritisiert: Das Jahr hätte besser anfangen können für die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). In gut drei Monaten will sie Regierungschefin im Südwesten werden. Doch das Krisenmanagement der CDU-Spitzenkandidatin im Kultusressort will nicht so recht als Referenz gelingen.

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Zurück in die Schulen am kommenden Montag – oder doch nicht? Eine Woche vor dem geplanten Neustart des Präsenzunterrichts nach den Weihnachtsferien war am Montag die Unsicherheit groß. Gut eine Woche nach ihrer ebenso einsamen wie umstrittenen Ankündigung, die Schulen im Land am 11. Januar wieder für den Regelbetrieb zu öffnen, musste Eisenmann nun zurückrudern. Regulären Schulbetrieb unter den bisherigen Infektionsschutzbedingungen soll es wohl nur, soweit möglich, an Grundschulen und für die älteren Schüler der Abschlussjahrgänge geben. Für die anderen soll nun doch erst „schrittweise der Präsenzunterricht wieder ermöglicht werden“, teilte Eisenmanns Ministerium am Montag nach der Sitzung der Kultusministerkonferenz (KMK) der Länder mit.

Abwarten und improvisieren

Konkretere Informationen, wie und wann es mit dem Präsenzunterricht nach dem 10. Januar für welche Schüler weitergeht, soll es erst nach dem Treffen der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin am Dienstag geben. Für Schulen, Lehrkräfte, Schüler und Eltern heißt es erneut: abwarten – und ab kommender Woche improvisieren. Die Bildungsgewerkschaft GEW, der Landeselternbeirat (LEB) und die Landtags-SPD sehen sich mit dieser Entwicklung in ihrer Kritik an Eisenmanns Krisenmanagement bestätigt. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz hatten sie am Montagvormittag die Wiederaufnahme des vollen Präsenzunterrichts als „unverantwortlich“ bezeichnet und gefordert, flächendeckenden Unterricht nach einem täglichen Wechselmodell mit geteilten Klassen anzubieten.

Ein Tag Präsenzunterricht, ein Tag Lernen unter qualifizierter Betreuung in alternativen Räumlichkeiten. Dieses Konzept solle vorerst ab kommender Woche bis Ende Januar für die Schüler der ersten bis siebten Klasse verwirklicht werden. ,,Wir brauchen eine klare Perspektive, zunächst bis Ende Januar, aber auch darüber hinaus. Die Lösung kann nicht heißen: Alle in die Schule“, sagte Andreas Stoch, SPD-Fraktionschef und Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl. Stoch will zudem mit GEW und LEB bis Mitte Januar weitere Beteiligte des Bildungswesens zu einem „Runden Tisch“ zusammenholen, um sich auf den Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen einzustellen. „Das wäre Aufgabe des Kultusministeriums gewesen, aber es ist nichts passiert“, kritisierte Stoch. Auch Mittelstaedt und Stein bemängelten fehlende Kommunikation des Ministeriums gegenüber den Verbänden.

Das Kultusministerium wies auf Anfrage den Vorwurf mangelnder Transparenz und Kommunikation zurück. Schulen und schulische Verbände seien schon am 21. Dezember über die Regelungen ab 11. Januar informiert worden, den Beschlüssen der Ministerpräsidenten könne aber nicht vorgegriffen werden, teilte ein Sprecher am Montag mit. „Das Kultusministerium hat verschiedene Szenarien für den Wiedereinstieg in den Unterricht nach dem 10. Januar vorbereitet. Damit soll ein flexibles Handeln je nach regionaler Infektionslage und nach Alter der Kinder und Schulart ermöglicht werden“, so der Sprecher weiter.

Zudem finde durch die Amtsspitze ein regelmäßiger offener Austausch mit Verbänden und Beratungsgremien statt. „Es ist aber nicht in jedem Fall möglich, alle Verbände unmittelbar im Vorfeld kurzfristig zu treffender Entscheidungen umfassend einzubinden.“ Diese müssten oft mit sehr kurzem Vorlauf getroffen werden. Eine Aussage, die sich in den kommenden Tagen erneut bestätigen dürfte.

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