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Glücksspiel Immer mehr private Anbieter für Online-Spiele und Sportwetten / Wettvermittler in den Innenstädten

Wildwuchs vor Ort und im Internet

Stuttgart.Sportwetten sind ein schnell wachsendes Geschäft. Innerhalb von fünf Jahren haben sich die Einsätze der privaten Anbieter auf zuletzt 7,3 Milliarden Euro verdoppelt. Dagegen haben sich die Wettbeträge bei Oddset, dem einzigen staatlichen Anbieter, seit 2006 auf 166 Millionen Euro halbiert. Die Zahlen hat Jürgen Häfner, der Geschäftsführer von Lotto Rheinland-Pfalz, aus dem Aufkommen der Sportwettsteuer errechnet. Gerade noch 2,2 Prozent der Einsätze finden auf dem legalen Markt statt. Private Anbieter sind derzeit nur geduldet, weil die Länder mit der Legalisierung gescheitert sind. Die vereinbarte Obergrenze von 20 Lizenzen haben mehrere Gerichte kassiert.

Zwei Wege stehen den Spielern bei den Privaten offen: Sie können ihre Einsätze entweder in einem Wettbüro vor Ort tätigen. Oder sie spielen am heimischen PC. Streng genommen ist das nicht legal. Deshalb stehen die Rechner der Anbieter oft auf der Mittelmeerinsel Malta, wo es relativ leicht ist, eine Lizenz zu bekommen.

Wildwuchs herrscht auch bei den Wettbüros vor Ort. Das Innenministerium vertritt die Auffassung, dass deren Betrieb auch ohne Erlaubnis zulässig ist, weil derzeit keine Lizenzen erteilt werden können. Der Mannheimer SPD-Abgeordnete Boris Weirauch hält eine Begrenzung dieser Vermittlerstellen für eilbedürftig: „Der Schutz von Kindern und Jugendlichen kann nicht so lange warten, bis sich die Bundesländer auf ein gemeinsames Angebot geeinigt haben.“

Einen neuen Anlauf für eine Reform nehmen die 16 Ministerpräsidenten an diesem Donnerstag bei ihrem turnusmäßigen Treffen. Handlungsbedarf gibt es auch bei den Online-Spielangeboten. Experten gehen davon aus, dass der Umsatz der privaten Firmen inzwischen in Deutschland einen zweistelligen Milliardenbetrag erreicht hat.

Georg Wacker, der Chef von Lotto Baden-Württemberg, hält wenig von einer Legalisierung der Online-Casinos. „Bei einer Liberalisierung der Angebote müssten wir uns einer übermächtigen Konkurrenz stellen“, warnt Wacker. Dann könnten die staatlichen Gesellschaften auch Lizenzen beantragen. Doch die seien bei der Werbung hoffnungslos unterlegen. Deshalb sei die „Gefahr groß, dass mittel- und langfristig dem Land sehr viele Einnahmen durch die Lappen gehen“.

Die Landtags-Grünen von Baden-Württemberg und Bayern bewerten die aktuellen Strukturen im Bereich der Sportwetten als „Graumarkt“. Die überall verfügbaren Onlineangebote Karten- und Casinonspiele stufen sie als „illegalen Schwarzmarkt“ ein. Notwendig sei eine einheitliche bundesweite Regulierung. Der Abgeordnete Josha Frey hofft, dass die Ministerpräsidenten sich auf eine Überarbeitung des ersten Glücksspielstaatsvertrags aus dem Jahr 2012 einigen.