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Landtag Ursula Bouffier im Wahlkampf voll eingespannt / Ehefrau des hessischen Ministerpräsidenten unterstützt ihn, wo sie kann

„Wir erden ihn“

Archivartikel

Gießen.Der hessische CDU-Landesparteitag beginnt mit einer kleinen Talkshow. Neben Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Ministerpräsident Volker Bouffier ist auch dessen Ehefrau Ursula mit von der Partie. Die Frage, warum sie sich das antut, pariert sie souverän: „Weil die hessische Union eine tolle Truppe ist.“ Und außerdem halte sie es für selbstverständlich, dass man seinen Partner unterstütze. Das will Ursula Bouffier gerade in der heißen Phase des Landtagswahlkampfs kräftig tun: Bis zu drei Mal am Tag wird sie ihren Mann zu Veranstaltungen begleiten, und fast immer steht ein solches öffentliches Gespräch des seit 30 Jahren verheirateten Paares am Anfang.

Selbstbewusstes Auftreten

Doch die 63-jährige gebürtige Gießenerin versteht sich keineswegs als bloßes Anhängsel ihres Ehemanns. Dass Ursula Bouffier eine selbstbewusste Frau ist, geht auch aus einer Anekdote hervor, die der Ministerpräsident selbst immer mal wieder zum Besten gibt: Als er eines Tages nach dem Ausfall gleich zweier Termine unverhofft schon am Nachmittag nach Hause kam, begrüßte ihn seine Frau keineswegs voll Freude über den unverhofften Besuch, sondern fragte ihn eher unwirsch: „Was machst Du denn hier?“ Seine Antwort, er wohne doch da, konterte sie mit den Worten: „Aber doch nicht um 17 Uhr.“ Schließlich hätte er ja vorher anrufen können, wenn er so den heimischen Ablauf durcheinanderwirbele.

Dass ruhig er auch mal einen Wasserkasten hochtragen könne, ist ein anderes überliefertes Zitat, dem Ursula Bouffier auch nicht widerspricht. Klar ist für sie: „Das Amt des Ministerpräsidenten endet an der Haustür. Hier ist er ein ganz normales Familienmitglied.“ Doch das sieht Volker Bouffier auch nicht anders. Seine Frau attestiert ihm, „ein ausgesprochener Familienmensch“ zu sein. So hatte er es sich, schon damals in Landtag und teilweise auch Landesregierung aktiv, nicht nehmen lassen, trotz aller Termine seinen beiden Söhnen Volker und Frederik selbst das Schwimmen und das Fahrradfahren beizubringen. Auch die Einschulung fand natürlich nicht ohne den Papa statt, wie Ursula Bouffier berichtet. Nach ihren Angaben bestätigen persönliche Freunde, was sie auch selbst so empfinde: Ihr Mann habe sich nach Übernahme des Ministerpräsidentenamts 2010 nicht verändert.

„Wir erden ihn“, sagt seine Frau. Dabei kommt es schon einmal vor, dass auch sie selbst von ihrem Mann im wahrsten Sinne des Wortes etwas abbekommt. Auf dem CDU-Wahlparteitag im Juni in Wiesbaden betraten Volker und Ursula Bouffier die Bühne und stellten sich dem Jubel der Delegierten. Dabei holte der Regierungschef so entschlossen mit den Händen aus, dass er seiner Frau versehentlich einen Stoß auf die Nase verpasste. Diese musste sich daraufhin, das Gesicht haltend, abwenden. „Das sah schlimmer aus, als es war, und er selbst hat es gar nicht bemerkt“, entschuldigt Ursula Bouffier ihren Mann heute.

Zurückgesteckt hat die selbst in der CDU politisch aktive Frau aber – als ihr Mann 2010 als Nachfolger Roland Kochs hessischer Ministerpräsident wurde: Für ihre Ämter als Gießener Stadtverordnete und Kreistagsabgeordnete trat sie bei der Kommunalwahl wenige Monate später nicht mehr an. „Wenn ich etwas mache, dann hundertprozentig, und ich wollte mich nicht dauernd wegen Repräsentationspflichten entschuldigen“, erklärt sie heute. Dafür sitzt jetzt ihr ältester Sohn in Stadtverordnetenversammlung und Kreistag, und der jüngste hat beides schon hinter sich.

Kennengelernt haben sich Volker und Ursula Bouffier schon als Jugendliche, da war er der Freund ihres großen Bruders. Gefunkt hat es aber erst, als der Jurist seine heutige Frau als Scheidungsanwalt vertrat. Dass ihr Mann heute immer das Smartphone auf dem Tisch liegen hat und sogar einige Akten mit nach Hause bringt, daran hat sich Ursula Bouffier gewöhnt. Immerhin nehmen sie sich abends immer noch Zeit, eine Runde zu würfeln. Sie weiß es als schönen Tagesausklang zu schätzen.

Info: Dossier unter morgenweb.de/ltwhe

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