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Brauchtum Besonders im Allgäu und in Oberschwaben werden während der Wintermonate teilweise skurrile Traditionen gefeiert

Wo sie Christbäume loben und Dämonen vertreiben

Stuttgart.Die Tage werden kürzer, die Temperaturen fallen – und der nächste Sommer scheint unendlich weit weg. Dass die Wintermonate trotzdem spannend sein können, zeigen Bräuche aus dem Allgäu und Oberschwaben.

Klausen- und Bärbeletreiben: Felle und Tierhäute hängen um ihren Körper, aus dem zotteligem Haar am Kopf ragen spitze Hörner. Mit Schellen und Ketten poltern die Klausen Anfang Dezember im Allgäu durch die Straßen – rufen, läuten, rasseln. Ab und zu bekommt ein Passant einen Hieb. „Die Klausen sollen Winterdämonen vertreiben“, sagt Matthias Hecht vom Klausenverein Sonthofen. Unter den Kostümen versteckten sich ledige Männer. Unverheiratete Frauen ab 16 Jahren kommen schon am Vorabend zusammen, zum Gedenktag der heiligen Barbara: In Fetzengewändern, Schürzen, Kopftuch und mit gruseligen Masken fegen sie mit Weidenruten und Besen symbolisch Schmutziges und Unanständiges vor den Haustüren weg. Auch Bärbele verteilen Hiebe – bekommt ein Bursche ein Tritt gegen das Bein, bedeutet das Fruchtbarkeit.

Christbaumloben: Der Brauch des Christbaumlobens ist in Oberschwaben und im Allgäu verbreitet. An Feiertagen ziehen kleine Gruppen von Haus zu Haus und loben ausführlich die aufgestellten Christbäume. Als Dank gibt es vom Besitzer einen Schnaps – bevor die Gruppe zum nächsten Haus weiterzieht. Der Verein „Soziale Bürger“ im bayrischen Memmingen hat die Tradition mit einem Wettbewerb um den schönsten Weihnachtsbaum verbunden: Organisator Manfred Bretzel stellt 20 Bäume zur Verfügung, die von Teilnehmern geschmückt werden können.

Stephansritt: In Eisenharz im baden-württembergischen Landkreis Ravensburg treffen sich am zweiten Weihnachtsfeiertag Reiter mit Pferden, um gemeinsam um eine Kapelle am Ortsrand zu ziehen und dabei Gottes Segen zu erbitten. In früheren Zeiten ritten viele Landwirte einzeln oder in kleinen Gruppen um die Kapelle – dieses „wilde Herumjagen“ lenkte ein Pfarrer schließlich in geordnetere Bahnen: 1927 zogen die Reiter erstmals als kirchliche Prozession mit einer Musikkapelle und anschließender Pferdesegnung los. Ungefähr 200 Reiter waren damals der Einladung gefolgt. 1928 gründete sich der Verein der Stephanusreitergruppe Eisenharz, die den Ritt seitdem organisiert.

Hornerrennen: Auf die Schlitten, fertig, los! Wild wird es beim Hornerrennen im Allgäu. Ursprünglich dienten die großen Hörnerschlitten den Bergbauern, um Milch, Heu und Holz ins Tal zu bringen. Allein oder in Zweierteams sausen wagemutige Teilnehmer auf einer Piste um die Wette. Ein Rennen dauert etwa eineinhalb Stunden, sagt Pius Ueth vom Hornerverein in Bad Hindelang. „Abhängig davon, wie viele Unfälle passieren.“ Für die Zuschauer gibt es nicht nur Gaudi und Verpflegung, sondern auch ein wenig Geschichte: Als Showeinlage rodeln als Bergbauern verkleidete Teilnehmer mit original Hornschlitten den Hang hinunter. lsw

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