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Regierung Vom gescheiterten CDU-Spitzenkandidaten zum Leiter des Justizressorts / Partei steht nur noch an zweiter Stelle

Wohlfühl-Minister Guido Wolf

Archivartikel

Stuttgart.Da sitzt kein Verlierer. Guido Wolf, 56, CDU-Politiker, Minister der Justiz, für Europa und Tourismus in Baden-Württemberg, ist mit sich im Reinen. Um die Osterzeit ist er, wie meist in Ferienzeiten, vor allem Tourismusminister. Er reist im Land umher, überbringt Förderbescheide und sucht das Gespräch mit den Menschen. Das macht er überaus gerne. Auch wenn in seinem Gepäck „meist bescheidene Bescheide“ sind, wie er sagt:

Die Menschen freuen sich, wenn er kommt. Denn es kommt ja immer auch der Justiz- und Europaminister. Da lässt sich so manches einspeisen, und Wolf redet nicht nur gern, sondern hört auch zu.

Guido Wolf sieht entspannt aus. Nicht wie der rastlose Sklave eines multiministeriellen Terminkalenders. Er achtet mehr auf die Ernährung, sorgt für ausreichend Bewegung in der Natur und dafür, einen terminfreien Tag in der Woche zu haben. Das tut ihm gut. Der Schopf ist grau, er hat seit Wahlkampfzeiten nicht nur zu seiner natürlichen Haarfarbe zurückgefunden, sondern augenscheinlich auch zu innerer Balance.

Realitätsverlust attestiert

Das war vor zwei Jahren so nicht zu erwarten. Am 13. März 2016 holte Guido Wolf als Spitzenkandidat das schlechteste CDU-Landtagswahlergebnis in der Geschichte der Südwest-Partei. 27 Prozent, noch hinter den Grünen. Ein Totalschaden. In der Mitverantwortung für das Debakel sah sich kaum ein CDUler. Zum Entsetzen von Freund und Feind erklärte Wolf noch am Wahlabend, das Wahlziel erreicht zu haben und eine Regierung bilden zu wollen. Grün-Rot in Baden-Württemberg sei abgewählt.

Seine Partei attestierte Wolf Realitätsverlust, er war verbrannt. Stattdessen übernahm CDU-Landeschef Thomas Strobl und verhandelte die Schwarzen ins Kabinett Kretschmann II. Für Wolf, der gerne Wirtschaftsminister geworden wäre, blieb nur das kleine Justizressort. Plus Europa plus Tourismus. Eine Kombination, die als „Resterampe“ für Spott sorgte. Und die sich zwei Jahre danach als geradezu maßgeschneidertes Wohlfühl-Areal für Guido Wolf entpuppt. Denn der stellte einfach auf Null.

Vergessen die Schlammschlachten aus dem Wahlkampf. Feindbild „Verbotspartei Grüne“? Geschichte. Der grüne „Oberideologe und Verkehrsverhinderungsminister“ Winfried Hermann? Jetzt ein Kabinettskollege, den Wolf als Typen echt gut findet. „Wenn man es in der Politik nicht schafft, sich von den Lasten der Vergangenheit zu befreien, wird es extrem schwierig“, sagt Wolf zu seinem Sinneswandel. „Ich kann immer wieder neu beginnen. Und ich schaue ohne Verbitterung zurück.“

Seine Verantwortung für das Abschneiden der CDU? Natürlich mache der Spitzenkandidat beim Wahlergebnis etwas aus, sagt er, aber eigentlich, so sieht er das heute, sei die Landtagswahl damals durch das Flüchtlingsthema entschieden worden. Waren die 27 Prozent also kein Wolf-Ergebnis? „Weiß ich nicht“, sagt er. „Ich bin sicher nicht fehlerfrei. Aber das CDU-Ergebnis bei der Bundestagswahl hat doch einiges relativiert. Wir haben als CDU massiv Vertrauen verloren.“

Suche nach Schlagzeilen

Die Bürger hätten kein Vertrauen mehr in den Rechtsstaat und die innere Sicherheit, „da haben wir erheblichen Nachholbedarf“, sagt Wolf. Vom Justizressort aus kann der Minister im Wochentakt überaus populäre Forderungen erheben, ohne dafür in den Nahkampf mit den Grünen gehen zu müssen: ob Kopftuchverbot im Gerichtssaal, ob der Ruf, weniger Jugend- und mehr Erwachsenenstrafrecht anzuwenden, ob erweiterte DNA-Analyse oder polizeiliche Auswertung von Mautdaten – alles Themen, die die Volksseele immer wieder hochkochen lassen.

Für vieles davon ist gar nicht Wolf, sondern der Bund zuständig. Aber die Schlagzeilen gehören ihm. „Unser Ankündigungsminister“, wird er deshalb auch spöttisch in grünen Reihen genannt. Wichtiger ist Guido Wolf, dass er für seine Amtsführung in der Justizverwaltung positive Rückmeldungen bekommt – was der Fall ist. Die schmutzigen Schlachten in der CDU lässt Wolf andere schlagen. Der Wahlverlierer ist jetzt ein Profiteur.