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Immobilien Treffen zwischen Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir und Vertretern der Ketten / Handelsverband dämpft Euphorie

Wohnen über dem Supermarkt

Wiesbaden.Mehr Wohnungen auf den Dächern von Supermärkten: Dass sich nicht damit allein der Wohnungsmangel in Hessen beheben lässt, räumt auch Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) ein. Aber „jede zusätzliche Wohnung hilft“, fügt er am Montag nach einem sogenannten „Supermarktgipfel“ mit 50 Vertretern von Lebensmittelketten, Kommunen und Stadtplanern in Wiesbaden hervor.

Die waren sich im Ziel einig, einen verstärkten Wohnungsbau über den Verkaufshallen der Supermärkte anzustreben. Immerhin könnten damit nach den Berechnungen des Regionalverbands Frankfurt im Rhein-Main-Gebiet 3000 bis 5000 zusätzliche Wohneinheiten entstehen, davon allein 1000 in Hessens größter Stadt selbst.

Individuelle Prüfung erforderlich

Konkrete Vereinbarungen haben die Beteiligten bei der Konferenz in Al-Wazirs auch für Wohnungsbau zuständigen Ministerium am Montag noch nicht getroffen. Der Teufel steckt im Detail, und so soll erst einmal an jedem Standort individuell geprüft werden, was machbar ist. Schließlich müsse sich etwa ein Umbau eines Supermarkts auch wirtschaftlich rechnen, dämpfte Sven Rohde vom Handelsverband Hessen ein wenig die Euphorie.

Wenn dafür die Verkaufsstellen zwei Jahre geschlossen werden müssten, könnte dies nicht nur für die Marktbetreiber, sondern auch für Kunden und Personal problematisch sein. Prinzipiell steht aber auch der Vertreter des Einzelhandels hinter den Plänen. In einem Jahr will man sich im selben Kreis wieder treffen, um nach den Prüfungen konkretere Verabredungen zu treffen.

Die nach Wiesbaden gekommenen Vertreter von Handelsketten wie Aldi, Lidl, Edeka, Penny, Netto, Kaufland, Rewe, Tegut und Dennree haben also sozusagen Hausaufgaben mitgenommen, um bei dem Vorhaben voranzukommen. Auf jeden Fall soll beim Neubau von Supermärkten der Wohnungsbau gleich mitgeplant werden. Unterschiede gibt es auch zwischen Ballungsräumen, wo die Geschäfte meist eh schon überbaut sind, und ländlichen Regionen. Aber auch bei Umbauten könnten ja im Einzelfall Zelte oder Provisorien in Nachbargebäuden die Fortsetzung des Verkaufs sichern, hieß es.

Für Al-Wazir liegen die Vorteile von Wohnungen über den Supermärkten auf der Hand: Diese seien oft gut gelegen, hätten häufig noch viel Platz obendrüber, Parkflächen und vor allem müssten für diese Wohnungen keine neuen Flächen versiegelt werden. „Deshalb wollen wir solche Projekte in Zukunft verstärkt auch mit unseren Stadtentwicklungsprogrammen fördern“, verspricht der Minister. Und er ermutigt die Supermarkt-Betreiber ausdrücklich, da auch bei bestehenden Gebäuden flexibel zu sein: „Nicht jedes Discounter-Gebäude ist ja architektonisch ein Gewinn für die Umgebung.“

Flachdachgebäude nutzen

Einstöckige Flachdachgebäude von der Stange auf riesigen, öden Parkplätzen seien sicher nicht mehr zeitgemäß. Zudem könnten moderne Neubauten auch Dachflächen für Solarenergie oder Raum für Ladestationen von Elektrofahrzeugen bieten, sagt er werbend. Das muss auch bei den gewinnorientierten Handelsketten nicht unbedingt auf taube Ohren stoßen.

So plant Lidl in Frankfurt nach Angaben des Ministeriums, eine knapp 20 Jahre alte Filiale in der Mainzer Landstraße abzureißen und neu zu bauen. Das etwa 7700 Quadratmeter große Gelände soll danach künftig zwei Gebäude beherbergen.

Der neue Supermarkt soll mit 40 Wohnungen überbaut werden und daneben noch ein weiterer reiner Wohnungsbau mit 70 Wohnungen entstehen. Das Projekt befindet sich derzeit im Genehmigungsverfahren der Stadt Frankfurt.