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Energieagenturen Grüne verlangen mehr Engagement der Kommunen / Landkreistag setzt auf Dauerzuschuss vom Land

Zäher Kampf um mehr Geld

Stuttgart.Kein Land in Europa hat ein vergleichbar dichtes Netz von Energieagenturen wie Baden-Württemberg mit 35 unabhängigen regionalen Beratungsstellen. Allerdings gibt es da auch kleine Agenturen mit nur einem Mitarbeiter. Die Landtags-Grünen starten nun einen neuen Anlauf, um die Initiativen besser auszustatten. „Ich appelliere an Kommunen und Energieversorger, die regionalen Energieagenturen zu stärken“, sagt der Landtagsabgeordnete Daniel Renkonen. Beim Landkreistag setzt dagegen Umweltdezernentin Nathalie Münz auf eine dauerhafte finanzielle Beteiligung des Landes.

Renkonen nimmt die aktuelle Hitzewelle als Beleg für die Dringlichkeit seines Vorstoßes: „Seit zwei Jahren steigen in Baden-Württemberg die Werte des Treibhausgases Schwefeldioxid drastisch.“ Der Anteil der erneuerbaren Energien müsse erhöht und der Energieverbrauch gesenkt werden. „Besonders im Bereich der Gebäudeeffizienz sehen wir noch große Einsparpotenziale, die nur mit kompetenter Beratung behoben werden können“, betont der Abgeordnete. Mit ihrer Beratungskompetenz könnten da Klima- und Energieagenturen eine zentrale Rolle spielen: „Mehr denn je braucht man deren Kompetenz.“

Durchschnittlich fünf Mitarbeiter

Der Beratungsbedarf sei riesig, weiß Renkonen. In Baden-Württemberg gebe es eine Million alte Ölheizungen, die es teilweise auf stolze 50 Jahre brächten und wahre Schwefeldioxidschleudern seien. Die Energieberater könnten vor Ort schnell und kostenlos über die Möglichkeiten informieren.

Allerdings ist die Leistungsfähigkeit der Energieagenturen sehr unterschiedlich. Nach einer Aufstellung von Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) haben die Agenturen im Schnitt knapp fünf Vollzeitstellen. Die Spanne reicht von einem bis zu 15 Mitarbeitern. In den letzten fünf Jahren hat es im Mittel einen Stellenzuwachs von 39 Prozent gegeben, vor allem aber bei den mittleren und großen Agenturen. „Bei den kleinen Agenturen ist teilweise keine Weiterentwicklung erkennbar“, klagt Untersteller. Der Hohenlohekreis hat seine Energieagentur Ende 2016 sogar geschlossen. Und der Landkreis Heilbronn hat die Aufgabe einer Stabsstelle im Landratsamt übertragen.

Große Unterschiede gibt es auch bei der finanziellen Ausstattung. Die Agentur mit der besten Grundfinanzierung bekommt jährlich 480 000 Euro, bei anderen sind es gerade mal 20 000 Euro. Als vorbildlich beschreibt Förderspezialist Martin Sawillion von der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA) die Freiburger Agentur, die auch für die Nachbarkreise Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen zuständig ist.

Der Landkreistag setzt auf eine verlässliche Mitfinanzierung für die Energieagenturen durch das Land. Bisher fließt Geld aus Stuttgart nur für konkrete Projekte. Damit lassen sich nach Ansicht von Münz die Ungleichheiten aber nicht beseitigen. Erste Signale hat sie inzwischen aus dem Umweltministerium vernommen: „Nach vielen Jahren sehe ich da Licht am Ende des Tunnels.“

Dabei versucht Untersteller, Städte und Gemeinden schon jetzt mit dem goldenen Zügel zu lenken: Er bietet Kommunen, die ihre regionale Energieagentur mit mindestens zehn Cent je Einwohner unterstützen, einen Bonus von zehn Prozent beim Klimaschutz-Programm. Lassen sich Agenturen bei der KEA schulen, gibt das Land dafür einen Zuschuss. Auch beim Aufbau eines Qualitätsnetzwerks Bauen zahlt das Land mit. KEA–Experte Sawillion sagt: „Das Land tut relativ viel. Aber die Förderung ist kompliziert und nicht aus einem Guss.“