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Unterrichtsversorgung Rückgang an allgemeinbildenden Schulen um 4600 Kinder und Jugendliche / Statistiker erwarten Trendwende in zwei Jahren

Zahl der Schüler im Südwesten weiter gesunken

Stuttgart.Bereits im 16. Jahr in Folge ist die Zahl der Schüler in Baden-Württemberg gesunken. Nach den am Donnerstag vom Statistischen Landesamt veröffentlichten Zahlen besuchen im laufenden Schuljahr 989 800 Kinder und Jugendliche die allgemeinbildenden Schulen. Dies seien 4600 oder 0,5 Prozent weniger als 2018. „Der Abwärtstrend hat sich leicht abgeschwächt“, heißt es in der Mitteilung der Behörde.

Der bisherige Schülerrekord stammt aus dem Jahr 2003. Damals besuchten 1,22 Millionen Kinder und Jugendliche die öffentlichen Schulen. Seither sank die Zahl um knapp ein Fünftel auf ihr aktuelles Niveau. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Lehrer dagegen gestiegen: 2004 waren an den allgemeinbildenden Schulen 93 400 Lehrer beschäftigt. Im letzten Schuljahr waren es 94 550. Obwohl sich die Schüler-Lehrer-Relation damit deutlich verbessert hat, gibt es seit Jahren mehr Klagen über Unterrichtsausfälle.

„Prinzipiell muss aufgepasst werden, dass bei abnehmenden Schülerzahlen nicht automatisch immer auch Lehrerstellen frei werden“, erklärte SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei die widersprüchliche Entwicklung. Wenn zum Beispiel an einer kleinen Werkrealschule die Schülerzahl in einer Klasse von 24 auf 18 sinkt, brauche man noch immer einen Lehrer. Solange Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) an den kleinen Schulen festhalte, bleibe dieser Effekt.

Fulst-Blei gehört zu den Bildungspolitikern, die seit Jahren mehr Lehrer fordern. Die Lehrergewerkschaft GEW hat schon vor drei Jahren mindestens 8000 zusätzliche Lehrer allein für die Grundschulen bis zum Jahr 2030 verlangt. Auch der Lehrerverband Bildung und Erziehung befürchtete 2017 „gravierende Personalengpässe“.

Statistiker Christoph Fischer geht davon aus, dass es „in den nächsten ein, zwei Jahren zur Trendwende kommt“. Allerdings liegen die realen Zahlen im laufenden Schuljahr bereits um 5600 Schüler unter den Zahlen der letzten Modellrechnung. Als Gründe für den erwarteten Anstieg nennt Fischer neben den seit acht Jahren wachsenden Einschulungszahlen auch das schrittweise Vorziehen der Einschulung um drei Monate und die zunehmende Nachfrage in den 44 Gymnasien, die das Abitur nach neun Jahren anbieten.

In den einzelnen Schularten verlief die Entwicklung zuletzt sehr unterschiedlich. Die im Aufbau befindlichen Gemeinschaftsschulen verbuchten mit gut 80 000 Schülern einen Zugewinn von 7,8 Prozent. Die knapp 370 000 Grundschüler bedeuten ein kleines Plus von 0,4 Prozent. An Realschulen und Gymnasien sank die Zahl leicht um jeweils rund ein Prozent. Den stärksten Rückgang mussten die Werkreal- und Hauptschulen mit einem Minus von 15,2 Prozent verkraften.

Überraschend ist die Entwicklung bei den Sonderpädagogischen Zentren. Die werden von 35 400 Schülern besucht, ein Plus von 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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