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Gesundheit Regierung will Landarztquote auf den Weg bringen

Zehn Jahre auf dem Land – sonst Strafe

Archivartikel

Stuttgart.Baden-Württembergs grün-schwarze Landesregierung will in ihrer Kabinettsitzung am kommenden Dienstag die Landarztquote auf den Weg bringen. Laut der Kabinettsvorlage, die dieser Redaktion vorliegt, sollen ab 2021 jährlich 75 Humanmedizin-Studienplätze an Studienanfänger vergeben werden, die sich verpflichten, nach ihrem Abschluss zehn Jahre als Allgemeinmediziner in einer Region in Baden-Württemberg zu arbeiten, in der es zu wenige Hausärzte gibt.

Studenten, die wegen ihres Notenschnitts nach dem bisherigen Verfahren eigentlich keinen Studienplatz bekommen hätten, wird so ein Medizinstudium ermöglicht. Wer sich nicht an seine Zusage hält, später als Landarzt in einem unterversorgten Gebiet zu arbeiten, dem droht eine saftige Strafe. Laut dem grün-schwarzen Gesetzentwurf müssen bis zu 250 000 Euro bezahlt werden für den Fall, „dass sie oder er den vertraglichen Verpflichtungen nicht oder nicht vollständig nachkommt“, heißt es.

Nach einem jahrelangen Streit zwischen Grünen und CDU soll nun endlich ein Knopf an die Landarztquote gemacht werden. Während die CDU in ihr immer ein Mittel gesehen hatte, um den Ärztemangel vor allem in ländlichen Regionen zu bekämpfen, waren die Grünen skeptisch. Am Ende einigten sich die beiden Koalitionspartner darauf, die Hälfte der 150 neuen Humanmedizin-Studienplätze über die Landarztquote zu vergeben.

Aktuell rund 7000 Hausärzte tätig

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sind in Baden-Württemberg aktuell etwas mehr als 7000 Hausärzte tätig. Die KV rechnet damit, dass in den kommenden fünf Jahren im Südwesten rund 1600 Hausärzte in den Ruhestand gehen, aber nur maximal 1000 bis 1200 junge Mediziner nachrücken werden. In der Kabinettsvorlage von Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) wird davon ausgegangen, dass es junge Mediziner tendenziell immer weniger in ländliche Regionen zieht. Auch die KV warnt daher vor einem „gravierenden Nachbesetzungsbedarf im ländlichen Raum“.

Wie aus der Kabinettsvorlage hervorgeht, erwartet Lucha, dass viele durch die Quote gewonnenen Mediziner „auch nach Ablauf der Verpflichtung von zehn Jahren weiterhin an dem Praxisort tätig bleiben werden, da sie sich dann bereits über einen längeren Zeitraum etabliert haben“. Laut Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) können an der Universität Tübingen bereits zum Sommersemester 2021 erste Studienplätze nach dem neuen Verfahren vergeben werden. An allen andern Humanmedizin-Studienorten im Land solle die Landarztquote dann im Wintersemester 2021 starten. Zur Umsetzung soll eine Stelle beim Regierungspräsidium Stuttgart geschaffen werden.

Auch in Ministerien und an den Hochschulen ist ein zusätzlicher Personalbedarf nötig. Insgesamt rechnet das Land im Jahr 2021 mit Zusatzkosten in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro.

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