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Bildung Landesregierung gibt Leitfaden heraus / Lehrer erhalten Empfehlungen zum Umgang mit Mobbing und Rassismus

Ziel: Sattelfest für die Demokratie

Wiesbaden.Bekommen Lehrer davon Kenntnis, dass sich ihre Schüler in sozialen Netzwerken rassistisch oder antisemitisch äußern, sollen sie nicht den Mantel des Schweigens darüber ausbreiten, sondern es zum Thema im Unterricht machen. Dasselbe gilt, wenn salafistisch beeinflusste Schüler gegen „Ungläubige“ Stimmung machen. Das sind nur zwei von vielen Empfehlungen, die die Landesregierung jetzt allen Lehrern in einem Leitfaden zur Demokratieerziehung zuschickt. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) stellte die 125 Seiten umfassende Broschüre am Donnerstag in Wiesbaden vor.

Und er setzt große Hoffnungen in die Wirkung der Handreichung, die von einem Team der Universität Bonn unter Leitung des Politikwissenschaftlers Tilman Mayer erarbeitet wurde. Sie soll nicht weniger erreichen, als die Schüler sattelfest für die Demokratie zu machen.

„Staat keine neutrale Institution“

„Grundrechtsklarheit, Wertevermittlung, Demokratieerziehung“ ist der Leitfaden überschrieben, mit dessen Hilfe die Pädagogen nicht nur gegen extremistisches Verhalten der ihnen anvertrauten jungen Menschen vorgehen sollen. Der Schwerpunkt der Empfehlungen liegt in der praktischen Einübung von Werten wie Toleranz, Vielfalt und Wahrung der Menschenrechte.

Die Handreichung ist nicht nur für Sozialkundelehrer gedacht, sondern richtet sich explizit an alle Lehrkräfte. Denn „Rassismus, Ausgrenzung und Judenfeindlichkeit machen nicht vor der Sporthalle oder dem Chemieraum Halt“, betonte Lorz. Nach seinen Worten häufen sich aus den Schulen quer durchs Land die Hinweise, dass für viele Schüler ein Verhalten, das die gegenseitige Achtung sowie die Grundrechte und Würde aller wahrt, nicht mehr selbstverständlich ist.

„Der Staat ist keine neutrale Institution, sondern der Demokratie verpflichtet“, drückt es der Bonner Professor Mayer aus. Das Einüben einer entsprechenden Verhaltenskultur müsse schon in der Schule beginnen.

Die zu vermittelnden Werte werden in dem Leitfaden in drei Bereiche aufgeteilt: Lebensform, Gesellschaftsform und Herrschaftsform.

Schulprojekttag geplant

„Eine gewisse Demut an den Tag zu legen, wenn man entgegenstehende Auffassungen wahrnehmen muss, drückt einen Respekt aus, der eingeübt werden muss“, lautet eine der Handlungsempfehlungen in der Broschüre. Diese steht auf der Internetseite des Kultusministeriums auch online zur Verfügung. Hinzu kommen sollen Fortbildungsveranstaltungen für die Lehrer und auf Wunsch ein Schulprojekttag, den die Landeszentrale für politische Bildung den Schülern als „Grundrechtsarena“ anbietet.