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Geschichte 96 Geldstücke bei der Sanierung der Kirche St. Peter und Paul in Bad Camberg entdeckt

Zimmermann-Praktikant findet jahrhundertealte Münzen

Archivartikel

Bad Camberg.Mehrere Jahrhunderte haben die 96 Münzen gut versteckt im Turm der Kirche St. Peter und Paul mitten in der idyllischen Bad Camberger Altstadt (Landkreis Limburg-Weilburg) gelegen. Dort befänden sie sich wohl noch immer, wenn Zimmermann-Praktikant Aaron Sauerborn bei der Restaurierung des Turms nicht gründlich saubergemacht hätte.

„Ich habe auf der Leiter gestanden und an einem Balken am Mauerrand den Schutt rausgemacht – plötzlich habe ich was Kaltes gespürt“, erinnert sich der 17-Jährige. Dass es sich bei seinem Fund um Münzen aus dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und aus noch früheren Jahren handelt, hat er erst eine Woche vor Weihnachten erfahren. Da meldete sich die Pfarrgemeinde bei ihm und händigte ihm einen Finderlohn aus.

Batzen aus Gold und Silber

Die Münzen liegen nun sauber und aneinander gereiht in einer speziellen Münzbox. Vor zwei Monaten sind sie von der Reinigung und Begutachtung zurück in die Kurstadt gekommen; sie gehören der Pfarrgemeinde. Eine offizielle Präsentation ist bislang nicht geplant. „Vielleicht geben wir sie mal als Leihgabe an das Diözesanmuseum in Limburg“, meint Pfarrer Joachim Wichmann. Ihr damaliger und auch der heutige Wert seien kaum zu bestimmen.

Bei den meisten Fundstücken handelt es sich um kleine Silbermünzen aus den Jahren 1551 bis 1630, etwa so groß wie ein Daumennagel – sogenannte halbe Batzen. Eine 3,13 Gramm schwere Goldmünze ist ebenfalls dabei. Besonders auffällig ist auch ein großer silberner Reichstaler aus dem Jahr 1623, der den damaligen Kaiser Ferdinand II. zeigt. Manche Prägungen auf den Münzen sind noch gut zu erkennen.

Vor Heerscharen versteckt?

„So ein Fund ist natürlich immer etwas Ungewöhnliches“, urteilt Konrad Schneider, ehemaliger Mitarbeiter am Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt. Der Münzexperte hatte den Bad Camberger Fund begutachtet. „Besonders ist in diesem Fall zudem, dass sich die Münzen in einem Gebäude befanden. Üblicherweise wurde damals das Geld im Boden vergraben, um es in Sicherheit zu bringen.“

Der besagte Kirchturm wurde 1581 erbaut. In der Zeit, in der die Münzen dort versteckt wurden, zogen laut dem Stadthistoriker und Betreuer des örtlichen Pfarrarchivs, Manfred Kunz, kriegerische Heerscharen durch Camberg – sie drangsalierten und beraubten die Einwohner. Auch der Adel und die Geistlichen waren nicht sicher, sie bangten um ihr Hab und Gut. Der Dreißigjährige Krieg begann 1618. In ganz Europa kämpften Reformanten und Gegenreformanten.

Die Frage, wem das Geld damals wohl gehört hat, beschäftigt in der katholischen Pfarrgemeinde in Bad Camberg die Gemüter. „Ein einfacher Bürger kann es nicht gewesen sein, dafür war es zu viel Geld“, sagt der Historiker Kunz. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges hätten einfache Bürger etwa drei bis vier halbe Batzen besessen.

„Vielleicht war es einer der damaligen Pfarrer gewesen. Oder ein Amtmann, obwohl von denen wahrscheinlich nur wenige Zugang zum Turm gehabt hatten“, überlegt Kunz. dpa