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Taunus Öffentlicher Philosophenweg führt quer durch privaten Tiergarten / Bürger sammeln Unterschriften

Zoo will Durchgang absperren

Archivartikel

Kronberg/Königsstein.Es ist wohl einer der ungewöhnlichsten Spazierwege Hessens: Auf der einen Seite sieht man Wald und dichtes Gestrüpp, auf der anderen Seite kann dem Wanderer schon mal ein Kamel begegnen. Der Philosophenweg entlang des Opel-Zoos im Taunus ist für viele der Geheimtipp, sich den Zoo-Eintritt zu sparen und trotzdem einige Tiere zu sehen. Der Zoo und Kronberg wollen das nach jahrzehntelangen Diskussionen nun endgültig beenden und den Weg für Auswärtige sperren. Ein Königsteiner Bürgerbegehren wehrt sich und verweist auf die Erhaltung öffentlichen Raumes.

„Der Philosophenweg ist eine Art Herzensangelegenheit“, sagt Hedwig Schlachter von der Aktionsgemeinschaft Lebenswertes Köngigstein und eine Vertrauensperson des Bürgerbegehrens. Etwa die Hälfte der 1300 benötigten Unterschriften hätten die Aktivisten bereits gesammelt. Statt kostenlosem Tiere-Gucken geht es ihnen um die Erhaltung „einer uralten und traditionsreichen Verbindung zwischen Königstein und Kronberg“.

Der Weg sei zuerst da gewesen, der Zoo habe sich erst über die Jahrzehnte darum ausgebreitet. Schlachter versteht die Haltung des Zoos, sagt aber: „Wir sind im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet, da ist der Raum für Menschen und Tiere knapp. Da wird natürlich um jeden Quadratmeter gerungen.“ Kinder nutzten den Weg außerdem auch als Schulweg.

Mehrfache Kartenkontrollen

Auf der anderen Seite steht Zoodirektor Thomas Kauffels, dem es um einen reibungslosen Ablauf seines Zoobetriebs und die Finanzen geht: Wegen des durch den Zoo führenden öffentlichen Weges müssten seine Mitarbeiter mit großem Aufwand mehrfach Karten kontrollieren, die Wanderer nähmen regulären Zoobesuchern Parkplätze weg. Zudem sei der Zoo durch den Weg immer zugänglich, was ein Sicherheitsproblem sei. „Es geht nur darum, dass die Leute kostenlos durch den Zoo wollen“, ärgert er sich. Als Privatzoo müsse er ohne öffentliche Förderung auskommen, alles werde über die Eintrittskarten finanziert. Als Verbindung zwischen den Orten werde der Weg dagegen kaum genutzt.

Ab Frühjahr kommenden Jahres will Kauffels Herr über den Philosophenweg sein: Dann soll der von den Kronberger Stadtverordneten bereits beschlossene neue Zoo-Bebauungsplan durch alle Gremien sein. Damit bleibt der Weg zwar im Besitz der Gemeinde, wird aber Teil des Zoogeländes. Kauffels will ihn mit Ein- und Ausgängen absperren. Als Kompromiss erhalten Kronberger und Königsteiner die Zoo-Jahreskarte zum halben Preis oder einen Chip, mit dem sie den Weg passieren können. Dies muss allerdings in einer Stunde geschehen.

Chip-Lösung abgelehnt

Mit dem Zeitlimit sind die Gegner zwar einverstanden, lehnen aber die Chip-Lösung ab. „Es soll möglich sein, mit Besuch den Weg zu passieren“, sagte Schlachter. Doch die Einflussmöglichkeiten des Königsteiner Bürgerbegehrens sind begrenzt: Der Weg und der Zoo liegen überwiegend auf Kronberger Gemarkung. Es gibt zu der Chip-Lösung einen vor wenigen Wochen geschlossenen Vertrag mit Königstein, der bei Erfolg des Begehrens gekündigt werden könnte. Die Aktivisten vermuten, dass Kronberg den Weg dann in Eigenregie sperrt – was einen Rechtsstreit zur Folge haben könnte: „Man kann nicht einfach einseitig einen Durchgangsweg sperren.“