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Geschichte Vor 75 Jahren kapitulierte das Deutsche Afrikakorps / „Mythos Rommel“ lebt in seinem Wohnhaus weiter

Zu Besuch beim „Wüstenfuchs“

Archivartikel

Ulm.Salutieren mit Blick auf Erwin Rommels Totenmaske und seine Tropenuniform. Auch 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf dem Schauplatz Afrika – das Deutsche Afrikakorps kapitulierte am 12. Mai 1943 in Tunesien – zieht es noch Besucher an den Ort, an dem der zum „Wüstenfuchs“ hochstilisierte Erwin Rommel zuletzt wohnte. Und an dem er auf Weisung Adolf Hitlers zum Suizid gezwungen wurde: Herrlingen, heute ein Ortsteil der Kleinstadt Blaustein nahe Ulm.

Der Militärgruß gehöre für manche Besucher halt dazu, berichtet Karlo Hafner (69). Der Hobby-Historiker und Ex-Schuldirektor führt Interessierte durch die Rommel-Ausstellung in der Jugendstil-Villa „Lindenhof“, die einst ein jüdischer Unternehmer errichten ließ und heute der Gemeinde gehört. Seit 1989 beherbergt sie in zwei Räumen eine Rommel-Ausstellung.

Geboten wird ein Devotionalien-Sammelsurium neben militärgeschichtlichen Dokumenten und Briefen. Es gibt Fläschchen mit Sand aus Wüstengegenden, in denen Rommel kämpfte. Britische Afrika-Veteranen spendierten das Holzmodell eines Panzers. Kann das ein Ort für eine seriöse Beschäftigung mit dem Leben eines Mannes sein, der als Hitlers Lieblingsgeneral galt, der von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels als militärischer Medienstar inszeniert wurde und schließlich wegen seines mutmaßlichen Sympathisierens mit dem Widerstand in den Tod getrieben wurde?

Zum lehrreichen Diskurs wird ein Besuch in Herrlingen, wenn er mit einer Führung durch Hafner verbunden wird. Unter anderem erfahren Besucher, dass und warum der „Wüstenfuchs“ längst unter Geheimhaltung aus Afrika abgezogen worden war, als die Niederlage unausweichlich war.

Attentat auf Hitler nicht verraten

„18 594 Deutsche, 13 748 Italiener, 35 476 Briten und 16 500 Amerikaner waren seit Beginn der Kämpfe im September 1940 gefallen“, bilanzierte der Münchner Historiker und Dokumentarfilmproduzent Maurice Philip Remy. Bereits in Afrika – so Remy in seinem Buch „Mythos Rommel“ – habe der General „aufgehört, an den ,Endsieg’ zu glauben“. Der aus Heidenheim stammende Rommel habe den Diktator Hitler lange verehrt, sich aber dessen Durchhaltebefehlen widersetzt, um sinnlose Opfer zu vermeiden. In Afrika stand Rommel, der später an der Westfront schwer verwundet wurde, im Ruf, fair zu kämpfen und Regeln der Genfer Konvention zum Umgang mit Gefangenen und Verletzten zu respektieren. Dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 habe er nicht zugestimmt, berichten Historiker. Allerdings habe er die Pläne dazu, in die er wohl teils eingeweiht war, nicht verraten. Als das Hitler berichtet wurde, schickte er am 14. Oktober Generäle mit Zyankali zu Rommel.

Die Ausstellung, der Gedenkstein – unweit des einstigen Rommel-Wohnhauses an der heutigen Rommel-Steige, das im Privatbesitz einer Familie ist – und Rommels Grab werden mittlerweile beinahe mehr von Ausländern als von Deutschen besucht, berichtet Hafner, vor allem Amerikaner, Franzosen, Briten und sogar Chinesen. „Wir versuchen, Rommels Licht- und die Schattenseiten aufzuzeigen.“