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Sicherheit Sozialverband beklagt dramatischen Mangel / Hilfesuchende müssen abgewiesen werden

Zu wenig Plätze in Frauenhäusern

Wiesbaden/Frankfurt.Der Platzmangel in hessischen Frauenhäusern verschärft sich nach Einschätzung von Sozialverbänden angesichts der Wohnungsnot dramatisch. Bereits seit Eröffnung der ersten Unterkünfte in den 1980er Jahren seien die Einrichtungen so ausgelastet, dass viele Frauen und ihre Kinder abgewiesen werden müssen, sagt Monika Remé, Referentin für Frauen und Mädchen beim Paritätischen Wohlfahrtsverband in Wiesbaden.

Länger besetzt als nötig

Inzwischen könnten Frauen aber auch, wenn sie stabil genug sind, oft nicht aus dem Frauenhaus ausziehen, weil in vielen Städten bezahlbare Wohnungen fehlen. Daher blieben Plätze in den Einrichtungen länger besetzt als nötig. „Frauenhäuser in ganz Hessen müssen täglich Frauen in Not und ihre Kinder abweisen“, beklagt Remé. Das Haus in Darmstadt beispielsweise konnte im vergangenen Jahr 64 Frauen mit 49 Kindern aufnehmen – musste jedoch 129 Frauen mit 127 Kindern eine Absage geben. Im Frauenhaus Bergstraße fanden 17 Frauen und 13 Kinder 2018 Unterschlupf, während 107 Frauen mit 121 Kindern abgewiesen werden mussten, erläutert die Referentin. Sowohl die Städte als auch der ländliche Raum seien vollkommen überlastet.

„Deshalb brauchen wir mehr Platz in Frauenhäusern“, fordert Remé. In den 31 Einrichtungen gäbe es zwar 727 Plätze. Diese Zahl beziehe sich jedoch auf die Betten – die in nur 313 Zimmer ständen. „Da wir gewaltbetroffene Frauen und ihre oft traumatisierten Kinder nicht mit wildfremden Frauen und Kindern in ein Zimmer stecken können, müssen wir uns die Zahl der Zimmer ansehen, um den Bedarf festzustellen“, gibt Remé zu Bedenken. „Wir gehen von einem Bedarf von mindestens doppelt so vielen Familienzimmern aus.“ Außerdem müssten dringend mehr Übergangswohnungen zur Verfügung gestellt werden, „damit die Frauen und ihre Kinder schneller wieder in ein Leben außerhalb des Frauenhauses zurückfinden können und die Zimmer frei werden“. Unabhängig von der aktuellen Platznot stehe Deutschland in der Pflicht, die sogenannte Istanbul-Konvention umzusetzen.

Das Menschenrechtsabkommen gelte seit Februar 2018. Ziel sei, „Frauen vor allen Formen von Gewalt zu schützen und Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zu verhüten, zu verfolgen und zu beseitigen“. Zur Umsetzung habe sich die hessische Landesregierung in ihrem Koalitionsvertrag bekannt. „Von den Aktivitäten sind wir bisher enttäuscht“, bilanziert Remé.

Der Paritätische fordert vom Land ein Gesamtkonzept zum Schutz, zur Bekämpfung, Prävention und effektiven Strafverfolgung von Gewalt gegen Frauen. Das Konzept sollte von Sozial-, Justiz-, Kultus- und Innenministerium gemeinsam getragen werden. Dazu gehöre zwingend eine Koordinierungsstelle, die unter anderem festlegt, wo besonders dringend mehr Kapazitäten in Frauenhäusern benötigt werden.