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Forschung Ministerin Bauer eröffnet neue Förderungsrunde / Wissenschaftler sollen konkrete Konzepte für Klimaschutz entwickeln

Zukunftsfragen im Reallabor

Archivartikel

Stuttgart.Ein Roboter, der Pakete ausfährt, oder ein Bus, der nur kommt, wenn ihn die Fahrgäste rufen. 14 solcher Projekte haben Wissenschaftler zusammen mit Praktikern und Bürgern in den letzten Jahren entwickelt und in der Praxis getestet. „Reallabore sind ein gutes Instrument, mögliche Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit einfach mal auszutesten“, sagt Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne). Nun kündigt sie eine neue Förderrunde mit dem Schwerpunkt Klimaschutz an. Sechs Millionen Euro stehen dafür im Landeshaushalt bereit.

„Klimaschutz treibt die Menschen um“, sagt Bauer zur Wahl des Oberthemas für die nächste Runde der Reallabore. Besonders wichtig ist ihr, dass die Wissenschaft über ihren Tellerrand schaut: „Es geht um die Verbindung von neuen Technologien im Klimaschutz mit Verhaltensänderungen der Menschen und der Akzeptanz von Maßnahmen.“

Die Ausschreibung will Bauer „in nächster Zeit“ starten. In der 1. Stufe sollen die Hochschulen ihre Ideen skizzieren, aber bereits mögliche Partner aus der Wirtschaft, der Politik oder der Gesellschaft benennen. „Solche großen Gestaltungsprozesse schafft keiner alleine: Sie setzen eine gelingende Kooperation von Wissenschaft und Gesellschaft voraus“, betont die Grünen-Politikerin. Die Projektskizzen werden von neutralen Experten begutachtet. Wenn die ausgewählten Konzepte ausformuliert sind, könnten vier bis fünf neue Reallabore Anfang 2021 mit der Arbeit beginnen.

Künstliche Intelligenz als Thema

Für ein Projekt zum Thema künstliche Intelligenz läuft bereits der Auswahlprozess. Bauer: „Ziel dieses Reallabors ist es, mit zivilgesellschaftlichen Akteuren konkrete Anwendungen von künstlicher Intelligenz in der Praxis zu entwickeln und deren Chancen, aber auch deren Risiken zu erforschen.“ 800 000 Euro Fördergeld steht dafür zur Verfügung. Demnächst falle die Entscheidung, welche Initiativen ihren Antrag ausformulieren dürfen.

Die Ergebnisse der beiden abgeschlossenen Förderrunden haben Bauer überzeugt. „Reallabore machen das Leben zum Experimentierfeld und bieten die Möglichkeit, an wissenschaftliche und gesellschaftliche Fragestellungen auf kreative Weise heranzugehen“, sagt die Ministerin. Man habe da eine neue Forschungsmarke entwickelt, die spannend und faszinierend sei.

Als besonders gelungenes Beispiel nennt sie das Reallabor „Stadtbus der Zukunft“. In einem Stadtteil von Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) wurde ein neuartiges Konzept des öffentlichen Nahverkehrs getestet: Der Bus fuhr nicht zu festen Zeiten auf festgelegten Routen, sondern ohne Haltestellen und Fahrpläne, auf Anforderung durch die Fahrgäste. Der Nahverkehr wird an die Wünsche der Nutzer angepasst, Leerfahrten werden vermieden. In der Praxis waren viele Probleme zu lösen: Es war eine Ausnahmegenehmigung notwendig, viele Senioren wollten lieber anrufen, statt per App den Bus zu bestellen. „Im Vergleich zum Liniensystem konnten zehn Prozent der Fahrzeugkilometer eingespart werden, weil keine Buchungen vorlagen“, berichtet Bauer.

Noch nicht ausgewertet ist das Projekt der Hochschule Heilbronn, die während der diesjährigen Bundesgartenschau Pakete durch autonom fahrende Transportfahrzeuge im neuen Stadtteil auf dem Buga-Gelände zustellen ließ. Solche Fahrroboter waren vorher noch nie im öffentlichen Raum unterwegs. „Wir müssen Tempo machen und neue Experimentierräume schaffen“, fordert die Ministerin.

Überzeugt hat Bauer auch das „Reallabor GO Karlsruhe“ zur Verbesserung des Fußgängerverkehrs. Bauer: „Das war der ideale Rahmen, Ideen gemeinsam mit Fußgängern auszuprobieren und deren Wirkung von den Menschen bewerten zu lassen.“ Das Projekt wurde mit dem Deutschen Ingenieurpreis im Bereich Verkehr ausgezeichnet.

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