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Internet 70 Prozent mehr Vergehen aufgedeckt als im Vorjahr / Opposition pocht auf Entlastung durch künstliche Intelligenz

Zunahme von Sexualdelikten im Netz

Stuttgart.Die Polizei in Baden-Württemberg ist immer mehr Sexualstraftätern im Netz auf der Spur. 2018 gab es im Südwesten laut der Antwort des Stuttgarter Innenministeriums auf eine SPD-Landtagsanfrage im Internet 1211 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Dies ist eine Steigerung um mehr als 70 Prozent im Vergleich zu 2017, als es 712 Delikte waren. Die Antwort auf die Anfrage liegt dieser Zeitung vor.

Die Straftaten setzen sich aus der Verbreitung pornografischer Schriften und sexuellem Missbrauch zusammen. Dabei ist im Südwesten die Verbreitung pornografischer Schriften im Netz 2018 um mehr als 75 Prozent auf 972 Fälle angestiegen. Unter dem Straftatbestand sexueller Missbrauch im Internet ermittelte die Polizei 2018 in 211 Fällen. Im Vorjahr waren es mit 150 Fällen noch rund 40 Prozent weniger.

Laut SPD-Innenexperte Sascha Binder ist die Aufklärung solcher Delikte im Netz aufgrund der großen Datenmengen mit einem sehr hohen Aufwand verbunden. Deswegen fordert er Innenminister Thomas Strobl (CDU) dazu auf, dass die Sicherheitsbehörden die Künstliche Intelligenz (KI) einsetzen. „Die Sichtung des Bildmaterials im Fall von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist extrem belastend für Ermittler und kann daher nicht acht Stunden am Tag durchgeführt werden. Deshalb muss noch mehr geforscht und erprobt werden, wie und in welchem Umfang Künstliche Intelligenz eingesetzt werden kann“, so Binder. Bei der KI werden per Computer automatisierte Funktionen entwickelt, die sonst menschliche Intelligenz erfordern. Beim Umgang mit kinderpornografischem Material führen Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen bereits ein Forschungsprojekt durch, bei dem die KI angewandt wird. Das Innenministerium erklärt, man wolle sich mit Vertretern Nordrhein-Westfalens über deren Projekt austauschen.

Internationale Organisation hilft

Laut der Behörde Strobls hat der starke Anstieg der Sexualstraftaten mit einem Anstieg der Ermittlungsverfahren durch das „International Centre for Missing & Exploited Children“ zu tun, eine internationale Non-Profit-Organisation, die gegen sexuellen Missbrauch vorgeht. Die US-Organisation habe deutlich mehr Meldungen an deutsche Behörden weitergegeben als in der Vergangenheit. Diese Informationen dienten der deutschen Polizei als Ermittlungsansatz.

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