Leserbrief

Zum Thema Bestandspflege

Überall fehlt Geld

Endlich wird mal berichtet, wo die Stadt wirklich ihr Geld ausgeben sollte! Dabei ist hier nur von der Spitze des Eisberges die Rede. Nicht nur die mit "fünf" (mangelhaft) bewerteten Schulen bedürfen dringend finanzieller Zuwendungen. Aber anstatt die Substanz des Bestandes zu pflegen und zu unterhalten, werden immer neue Bauvorhaben als Millionengräber aufgetan.

Statt den Luisenpark auf Vordermann zu halten (die Seebühne sieht grässlich aus!), plant man eine neue Bundesgartenschau, noch dazu in einem bürgerschaftlich sehr umstrittenen Terrain.

Statt die Multihalle im Herzogenriedpark wie ursprünglich geplant als temporären Bau zu behandeln und nun abzureißen, werden allein 600 000 Euro für ein Gutachten ausgegeben für die Feststellung, ob sie überhaupt sanierbar ist. Ganz davon zu schweigen, dass man offenbar noch immer kein konkretes Nutzungskonzept hat. Auch in den letzten knapp vierzig Jahren stand sie weitgehend ungenutzt leer.

Herschelbad nur außen saniert

Das Technische Rathaus im Collini-Center ist eingerüstet, damit Passanten nicht von herabstürzenden Bauteilen verletzt werden können. Für eine ordnungsgerechte Sanierung fehlt das Geld.

Das Herschelbad wurde für viel Geld erstmal von außen saniert. Für die Innensanierung sucht man nun einen Investor, der blöd genug ist, sein Geld in ein Projekt zu stecken, von dem er nicht weiß, ob es sich jemals amortisieren lässt. Vielleicht hätte man das Gebäude rechtzeitig an einen Investor abgeben sollen für eine Sanierung als (Luxus-)Wohnimmobilie, um stattdessen an anderer Stelle (z.B. beim Eislaufzentrum) ein modernes funktionales Hallenbad zu errichten. Das wäre sicher billiger geworden. Aber die Stadt plant stattdessen neue kostenintensive Vorhaben. Der dreißig Jahre junge Mitzlaffbau der Kunsthalle soll abgerissen werden, um einem gigantischen Neubau zu weichen, der die schöne Platzgestaltung rund um die Wasserturmanlage erschlagen wird. Dankenswerterweise hat die Familie Hector dafür einen Großteil des Geldes gespendet. Aber konnte es sich die Stadt überhaupt leisten, eine solche Spende zu diesem Zweck anzunehmen? Vielleicht hätte man mit dem Sponsor auch darüber verhandeln können, diese großzügige "Kulturspende" in die Sanierung bestehender Kultureinrichtungen zu investieren. Oder sind Schulen nicht Kultureinrichtungen im eigentlichen Sinn? Für die Komplettsanierung der Geschwister-Scholl-Schulen hätte es gerade gereicht... Und wer garantiert uns denn, dass das neue Museum nicht auch in dreißig Jahren wieder abgerissen wird, weil man es nach der Errichtung wieder dem Verfall überlässt. Natürlich ist es viel populärer, Neues zu errichten und sich in dessen Glanz zu sonnen. Aber der Bürger zahlt letztendlich für diese Eitelkeiten.

Ich habe den Eindruck, dass die Stadtväter nach der Devise leben: Wenn wir die Raten für die Waschmaschine nicht bezahlen können, leisten wir uns auch noch die Spülmaschine.