Leserbrief

Abgehängte Regionen

Zu den Wahlergebnissen im Osten:

Nachdem die drei Landtagswahlen der AfD einen Triumph beschert haben, ist das große Rätselraten im Gange. Wieso tickt der Osten so? Vielleicht sollte man die Sache von einer anderen Seite betrachten. Die neuen Bundesländer (das heißt, die Bevölkerung) haben seit 1933 nur zentralistische Regierungen kennengelernt. Ab 1945 gehörten sie zum Ostblock. Außerdem mussten sie Anfang der 1990er Jahre feststellen, dass es mit dem Kapitalismus genauso war, wie sie es in der Schule gelernt hatten – mit Arbeitslosigkeit und Stellenabbau.

Jeder hatte in der DDR seinen Arbeitsplatz, auch wenn er unwirtschaftlich oder überflüssig war. Plötzlich waren sie dem eisigen Wind des Neoliberalismus ausgesetzt. Die Zauberworte Privatisierung, Deregulierung, Outsourcing haben auch in den alten Bundesländern für die Entstehung einer Drei-Klassen-Gesellschaft gesorgt.

Eiserner Vorhang in den Köpfen

Im Westen gibt es auch abgehängte Regionen, im Ruhrgebiet, in der Westpfalz, im Saarland. Auch dort fährt die AfD Rekordergebnisse ein. Die DDR war seit 1945 Mitglied des Ostblocks. Schaut man sich die politische Landkarte an, stellt man fest, alle östlichen Nachbarn wurden wieder von antidemokratischen Regierungen geführt. Mit den europäischen Ideen können die nichts anfangen. In der EU sind sie nur deshalb, um ordentlich Subventionen, Fördergelder abzugreifen. Es zeigt sich eben: 45 Jahre Staatssozialismus haben in den Köpfen ihre Spuren hinterlassen, und der Eiserne Vorhang besteht in den Köpfen immer noch weiter.

Michael Hoffmann, Mannheim