Leserbrief

Zum Thema Kunsthalle

Abriss-Party für den Mitzlaff-Bau feiern?

Um dem Mitzlaff-Flügel der Kunsthalle Mannheim einen würdigen Abschied zu bereiten, schlage ich - angeregt durch meine Frau Theda - vor, eine ABRISS-Party zu veranstalten. Ich bin 1984, also ein Jahr nach seiner Einweihung, in diesem Gebäudetrakt als Kustos und Kurator tätig geworden und habe ihn mit Manfred Fath und dem Kollegenteam nach allen Regeln der Kunst sammlungs- und ausstellungstechnisch bespielt. Es war eine aufregende und schöne Zeit. Wir hatten uns mit den "Unzulänglichkeiten" des Mitzlaff-Neubaus, aber auch mit denen des Billing-Altbaus arrangiert, Nachbesserungen durchgezogen (Kältemaschinen und Sicherheitsgitter für den Neubau, Klimaanlage für den Altbau), um international mitspielen zu können. Erinnert sei hier nur an die großen Erfolge:

Von Courbet bis Picasso - Schätze des Museums São Paulo, 1988/89 (164 450 Besucher!)

Paul Klee, Konstruktion - Intuition, 1990/91 (62 000 Besucher)

Auguste Rodin, "Höllentor", 1991/92 (62 900 Besucher)

Edouard Manet, Augenblicke der Geschichte, 1992/93 (80 000 Besucher)

Neue Sachlichkeit - Figurative Malerei der 20er Jahre, 1994/95 (85 000 Besucher)

William Turner in Deutschland, 1995/96 (105 000 Besucher!)

Paul Klee - Zeit der Reife, 1996 (73 000 Besucher)

Henry Moore - Ursprung und Vollendung, 1996/97 (51 100 Besucher)

und die Abschieds-Ausstellung für Manfred Fath von 2002 bis 2003

Jean Tinguely - "Stillstand gibt es nicht!" mit insgesamt 47 800 Besuchern.

Und darum trauere ich natürlich um diese Spielstätte zahlreicher eindrucksvoller Kunstereignisse. Es wäre eine Herzens-Angelegenheit für die Mannheimer Kunstliebhaber, eine ABRISS-Party zu veranstalten. Im Ablauf möglichst so, wie früher Manfred Fath unsere Preview-Partys gestaltete: familiär, warmherzig und mit wunderbaren Canapées und Getränken. Man sollte dabei dann zusätzlich Hämmer und Schraubenzieher ausleihen, damit sich jeder Fan des Mitzlaff-Baus ein Stückchen Mannheimer Museumsgeschichte mit nach Hause nehmen könnte. Wir finden, dass wir mit dieser Aktion dem Mitzlaff-Bau eine letzte und jeweils sehr persönliche Ehrerbietung erweisen sollten.