Leserbrief

Absehbare Altersarmut

Zum Artikel „Geringverdiener hoffen auf mehr Rente“ vom 14. Juli:

Die Rentenformel ist einfach: Standardrentner ist jemand, der 45 Jahre lang ohne Unterbrechung gearbeitet und, das ist besonders wichtig, immer das durchschnittliche Arbeitseinkommen gehabt hat. Das liegt zurzeit bei 3092 Euro im Monat brutto. Wie viele Leute haben das nicht? Wer 45 Jahre Vollzeit zu dem Durchschnittslohn immer gearbeitet hat, kommt auf eine Bruttorente von zurzeit 1300 Euro, das sind netto nach Abzug der Versicherung etwas über 1200 Euro – für so ein langes Arbeitsleben zum Durchschnittslohn. Alle die darunter liegen, die kommen auf 900, 800, 700, 600 Euro, das heißt, wir laufen auf eine ganz große Welle der Altersarmut zu.

Deutschland ist Schlusslicht

Und zwar nicht nur irgendwelche Niedriglöhner, sondern der eigentliche sozialpolitische Skandal ist, dass Normalverdiener und auch die wahren Leistungsträger in unserem Land, die Krankenschwester, die Erzieherin, die Altenpfleger, alle rutschen wegen dieser Rentenformel, die in der Vergangenheit gut funktioniert hat, zunehmend in die Altersarmut ab. Dass Beamte auf eine Durchschnittspension von über 2900 Euro kommen, hatte ich das schon erwähnt? Dass in berufsständischen Versorgungswerken oft eine doppelt so hohe Rente gezahlt wird, auch? Das nur die „Rentner(innen) versicherungsfremde Leistungen in jährlich zweistelliger Milliardenhöhe bezahlen und Abgeordnete, Beamte, Selbstständige außen vor bleiben? Dass Deutschland Schlusslicht ist beim Rentenniveau in Europa? Wenn ein vergleichbarer Rentner hier 1000 Euro hat, kann sich der Österreicher auf 1800 Euro freuen.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2NgUqdo