Leserbrief

Akademisierung des Hebammenberufs

Zum Artikel „Hebammen sind unverzichtbar“ vom 19. September:

Der Hebammenberuf ist die älteste Dienstleistung von einem Menschen an einen anderen. Dieser Beruf lebt von der Erfahrung und der Entscheidungskraft der Frau, die die Geburt leitet. Je mehr Geburten sie selbstverantwortlich geleitet hat, umso sicherer wird sie auch in schwierigen Situationen entscheiden und umso weniger gefährlich wird es für Mutter und Kind. Diese Selbstverständlichkeit, die jeder Normalbürger nachvollziehen kann, wird seit vielen Jahren schon torpediert.

1. Wir erleben eine Medizin, die in zunehmendem Maße aus verschiedenen Richtungen ungut beeinflusst wird.

2. In den Medien erlangen diese Fälle eine weite Verbreitung.

3. Die Verunsicherung und Angst der Patienten übersteigt durch diese Verbreitung das normale Maß.

4. Wir erleben zur Zeit wegen der Rechtsfälle und vielleicht auch berechtigten Rechtsansprüchen ein massives Ansteigen der Haftpflichtprämien bei medizinisch tätigem Personal.

5. Die wirtschaftliche Situation der Medizinanbieter (Krankenhäuser, Ärzte oder auch Hebammen) wird durch den Prämienanstieg in eine wirtschaftliche Schieflage gebracht.

6. Die medizinischen Leistungen erfahren nicht die leistungsgerechte Entlohnung.

Politik fördert Bettenabbau

Die Folge solcher Entwicklungen führt zunächst in den Krankenhäusern zu einer Defensivmedizin, zu Schließungen manchmal ganzer Abteilungen, der sogenannte politisch gewollte Bettenabbau. Auch der politische Wille, nur zu bezahlen, was in einer bestimmter Anzahl an medizinischen Leistungen vom Krankenhaus, Arzt oder auch der Hebamme erbracht wurde, unterstützt diesen Trend.

Diese Defensivmedizin beinhaltet, dass man in der Medizin zunehmend Maßnahmen ergreift, die weniger gefährlich sind und vor allem lukrativ erscheinen, oder dass zunehmend auch der Patient persönlich zur Kasse gebeten wird. Diese Verquickung von mehreren unguten Entwicklungen wird noch verstärkt durch die Bürokratie.

Ungerechte Entlohnung

Die Dokumentation frisst mittlerweile etwa 30 Prozent der Arbeitskraft im Krankenhaus, alles auch vor dem Hintergrund, möglichst nicht angreifbar zu sein oder seine Arbeit nach dem modernsten medizinischen Standard getan zu haben. Viele Krankenhäuser haben sich auf diese Weise kaputt gespart und wurden geschlossen. Ganz zu schweigen von der Arbeitsmoral in den noch verbliebenen Häusern, die ums Überleben kämpfen. So, und in dieser Situation soll jetzt noch der Hebammenberuf eine akademische Ausbildung erfahren.

Die Hebammen, die sich jetzt und in Zukunft im Studium befinden werden, kommen dann in einen Kreißsaal, wo circa 30 Prozent der Geburten per Kaiserschnitt entbinden werden. Schwierige Entbindungen wird es nicht mehr geben.

1. Weil sie zu lange dauern und den Kreißsaal und das Personal blockieren.

2. Man ja nie weiß, wie es ausgeht und dann letztlich doch im Kaiserschnitt endet.

3. Ist man mit einer Operation rechtlich auf der sicheren Seite.

4. Ist ein Kaiserschnitt lukrativer für das Krankenhaus.

Als letzten Punkt bleibt anzuführen, dass der Hebammenberuf in der Bevölkerung eigentlich ein hohes Ansehen genießt, aber der Entlohnung als angestellte Mitarbeiterin im Krankenhaus überhaupt nicht entspricht. Wie soll die finanzielle Situation in Zukunft bei der akademischen Hebamme geregelt werden, wo die Krankenhäuser doch sparen müssen?

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2IcTb9Y