Leserbrief

Alle haben mit den Jahren dazugelernt

Zum Kommentar „Von wegen Jugendsünde“ vom 20. Dezember:

Wieder einmal kann ich über einen Kommentar von Walter Serif nur den Kopf schütteln. Er empört sich mit der gesamten Linken unserer Republik und Teilen der CDU darüber, dass ein inzwischen 29-Jähriger, heute Beisitzer in einem Kreisvorstand der CDU, sich 2011, also mit Anfang 20, als Ordner bei einer Neonazi-Demo hat einsetzen und sich vor Jahren ein Neonazi-Symbol hat stechen, aber es seither nicht hat entfernen lassen. Natürlich will man keine Neonazis in der CDU. Und die wollen es wohl selbst nicht!

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Mal abgesehen davon, dass der junge Mann das Tattoo heute öffentlich bedauert, halte ich es für begrüßenswert, wenn junge Radikale dazulernen und sich entradikalisieren. Er ist doch nicht der Erste!

Man darf daran erinnern, dass der langjährige Fraktionsvorsitzende der SPD, Herbert Wehner, vor seinem Eintritt in die Partei ein recht ranghohes Mitglied der Kommunistischen Partei war, dass Willy Brandt in seiner Jugend Mitglied einer Linksabsplitterung der SPD war, dass unser späterer Außenminister Joschka Fischer in seinen 20er Jahren handgreiflich war und dass unser heute allseits geschätzter Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen in den 1970er Jahren dem radikalen, maoistischen KBW angehörte.

Sie alle haben mit den Jahren dazugelernt. Gut so! Oder sprechen Walter Serif und Co. nur den Linken das Recht zu, etwas dazuzulernen, nicht aber jungen Rechten?

Dietmar Krause, Edingen-Neckarhausen

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/35R9LHC

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