Leserbrief

Leserbrief Zu "Höhere Stromtarife . . ." (FN 16. September)

Alle Windräder aufs Land?

Den Ausbau der Windkraft in Baden-Württemberg sehen Umweltminister Untersteller und Ministerpräsident Kretschmann "auf einem guten Weg". Im Jahr 2016 will er die Hälfte der zehn Prozent Stromerzeugung aus Windkraft erreicht haben. Dies geschah bislang vorwiegend im ländlichen Raum. Will er die Windkraft bei uns weiter forcieren, um die Stadt-, Ballungs- und Touristengebiete von Windrädern freizuhalten? Alle Windräder aufs Land, wenn wir unser Ziel erreicht haben, sparen wir uns den Ausbau in städtischen Kreisen?

Untersteller und Kretschmann werden nicht nur in die Geschichte Baden-Württembergs eingehen als diejenigen, die den Windkraftausbau in unserem dafür völlig ungeeigneten, windärmsten Bundesland beschleunigt haben (Wirkungsgrad 16 Prozent, Tendenz seit Jahren sinkend, Vergleich Norddeutschland: etwa 40 Prozent). Sondern auch als diejenigen, die die größte Umweltzerstörung nach dem Zweiten Weltkrieg in Gang gesetzt haben, da der Ausbau vorwiegend in Waldgebieten umgesetzt wird.

Dies ist umso paradoxer, da Bundeskanzlerin Merkel im August 2015 einen Betrag in Höhe von 500 Millionen Euro als Gastgeschenk mit nach Brasilien brachte. Schön finanziert vom braven deutschen Steuerzahler. Mit dem Geld sollen Maßnahmen zur Verhinderung der dortigen Regenwaldabholzung eingeleitet werden.

Es ist ein Schildbürgerstreich ohnegleichen: es wird Geld ausgegeben, um im zehntausende Kilometer entfernten Tropenwald die Abholzung einzudämmen, während man bei uns vor der Hautür duldet, dass pro Windrad etwa 10 000 Quadratmeter Wald zum Opfer fallen, dessen Abholzung sich genauso kontraproduktiv zu den Zielen des Klimaschutzes auswirkt. Krampfhaft schöngeredet von "Grünen"-Politikern, die sich einst für den bedingungslosen Schutz dieser Natur einsetzten.

Noch etwas zum Strompreis: Der Strompreis wird weiter steigen, auch wenn Minister Untersteller vom Gegenteil ausgeht. Viele mittelständische Betriebe erzeugen mittlerweile über Photovoltaik und Blockheizkraftwerke günstig ihren eigenen Strom, um die Kosten der EEG-Umlage zu umgehen. Da diese Umlage aber zukünftig weiter steigen wird, verteilt sie sich auf weniger Verbraucher, was zwangsläufig zu Erhöhungen führen wird.