Leserbrief

Zum Thema Kunsthalle

Alles noch mal überdenken

Nicht alle Kritiker des geplanten Neubaus hängen am Mitzlaff-Bau, so wie nicht jeder Befürworter des Abrisses den ausgewählten Siegerentwurf gut findet. Lokale und gleichzeitig globale Aktionen, wie sie von Dr. Robin S. Kähler in seinem Leserbrief vom 28.03.13 für Mannheim ersehnt werden, schließen wiederholtes Hinterfragen der freiwerdenden Kräfte und Mittel nicht aus. Eine moderne Lösung sollte aber auch so gut sein, dass sie keine wesentlichen Kompromisse nach sich zieht. Wenn laut Berichten an der Hülle noch monatelang intensiv gearbeitet werden soll, eventuell sogar mit einem weicheren Stift, hat dies Auswirkungen auch auf das Innere, und das prämierte Gesamtkunstwerk löst sich auf - ähnlich wie der Berliner Lehrter Bahnhof desselben Planers (die Bahnsteigdächer wurden aus Kostengründen auf Wunsch des Bauherrn kürzer gebaut als im Plan).

Bekanntlich hat das Büro gmp vor der Siegerwahl seinen Plan aus Kostengründen so geändert, dass auf ein ganzes Stockwerk im Untergeschoss verzichtet werden konnte - auch auf Kosten der Ausstellungsfläche. Ist es vertretbar, dass man sich auf diese Weise beim "derzeit größten Museumsneubau Deutschlands" mit einem Drittel der Nettogeschossfläche als Ausstellungsfläche begnügt, zumal es sich um ein Filet-Grundstück handelt und schließlich um eine umfangreiche Skulpturensammlung?

Ginge man stattdessen erneut in die Tiefe (z.B. auch nur um eine halbe Geschosshöhe, so dass unter Oberkante Fußboden sogar noch Tageslicht eindringen kann), könnte von der oberirdischen Wucht etwas genommen werden. Dadurch würde auch Raum nach oben für eine leichte Neigung in der Dachfläche geschaffen werden. Flachdächer sind oft eine Dauer-Schadensquelle - das hier geplante weist zudem zahlreiche Übergänge/ Nahtstellen zwischen Glas und anderen Materialien vor. Nach Fertigstellung bekommt die Stadt den Neubau geschenkt, dessen Instandhaltung aber auch.

In der aktuellen Skulpturenschau im Mitzlaff-Bau überrascht das Tageslicht, das neuerdings aus allen Richtungen eindringt, es macht aber auch klar, dass das Potenzial des Mitzlaff-Baus längst nicht ausgeschöpft ist. Ich vermisse bereits jetzt das für die Skulpturen notwendige Tageslicht, das der Neubau besonders in seinen unteren Quadern bieten kann. Die Simulation mit den geschossübergreifenden Fluren und Zwischenräumen sowie einigen mit dem Rücken zur Wand stehenden Skulpturen (fast wie in einem Regal) zeigt auch, dass dabei viel Raum für die Skulpturen verloren geht. Den beliebigen aber auffälligen Türdurchbruch in der oberen Etage, den runden Deckenausschnitt (Brandschutz?) und das abgeschnittene Balkongeländer zum Wasserturm hin kann wohl niemand als "Hommage" an den Mitzlaff-Bau, sondern nur als vorgezogenen Abbruch interpretieren.

Trotzdem scheint es, angesichts des geplanten Bürgerforums im April, nicht zu spät zu sein, alles zu überdenken - nicht nur die Hülle, die Fassade oder den ersten Eindruck, den der Neubau hinterlassen soll."